Paterson

Filmcasino 19.11. 2016

USA 2016
Regie: Jim Jarmusch

Aus Hollywood-Perspektive ist Paterson ein Antifilm. Oberflächlich betrachtet passiert in dem Film nämlich nichts Bemerkenswertes. Damit nicht genug: Er stellt ein ausgesprochen elitäres Thema in den Mittelpunkt: die Lyrik. Trotzdem gehören die Figuren, wie in allen Filmen Jarmusch‘, nicht der bürgerlichen Gesellschaftsschicht an, sondern zur Klasse der Unterprivilegierten. Paterson heißt nicht nur die Stadt, in welcher der Film spielt, sondern auch die Hauptfigur, ein dichtender Busfahrer. Zusätzlich ist Paterson der Titel eines wichtigen Werks der modernen amerikanischen Lyrik von William Carlos Williams. Damit wären die wichtigsten Ebenen des Films auch schon benannt.

Jarmusch spiegelt das Thema strukturell: Wie ein Gedicht ist der Film in Strophen aufteilt, die aus den einzelnen Tagen einer Woche im Leben des Busfahrers bestehen. Die Poesie des Alltags trifft die Poesie der Literatur. Gleichzeitig entwirft Jarmusch ein empathisches Porträt des armen Amerika samt dessen Lebensumständen. Ein wunderbares Werk.

Ergänzt sei noch, das Amazon Studios den Film mitproduzierten. In einem Interview meint Jarmusch, dass er erst skeptisch gewesen sei, dann aber schnell bemerkt hätte, dass er künstlerisch sehr viel mehr Freiheiten als in Hollywood hatte. Ähnliches hört man von Netflix Produktionen. Aktuell scheint künstlerische Kreativität also besser bei den großen Streaminganbietern aufgehoben zu sein als bei den alten Studios. Eine erwähnenswerte Entwicklung.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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