Genazino: Außer uns spricht niemand über uns

Aus alter Gewohnheit lese ich jeden neuen Roman Genazinos. Das Muster ist immer dasselbe: Ein brillant beobachtender Außenseiter mittleren Alters lässt uns an seinen Lebenskrisen aus der Ich-Perspektive teilnehmen. Die Bücher sind kurz & prägnant. Der Protagonist ist ein gescheiterter Schauspieler, der seinen Lebensunterhalt als Sprecher für das Radio oder für Provinzmodeschauen verdient. Ökonomisch wird das Leben härter. Das Prekariat klopft an die Tür. Seine Beziehung mit Carola endet in einer Katastrophe.

Außer uns spricht niemand über uns setzt das hohe literarische Niveau der letzten Romane fort. Es ist aber deutlich düsterer und pessimistischer. Was mir negativ auffällt: Abgesehen von Andeutungen lebt der Held in einer völlig antiquierten Welt. So als gäbe es kein Internet und die Realität funktionierte immer noch genauso wie in den achtziger Jahren. Positiv könnte man hier von Zeitlosigkeit sprechen, negativ von einem Ausblenden wichtiger Wahrnehmungen der Gegenwart.

Wilhelm Genazino: Außer uns spricht niemand über uns. Roman (Hanser)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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