Sex in Wien & Chapeau

Wien Museum 25.10. 2016

Den Absperrungsbändern nach gibt es für Sex in Wien üblicherweise einen großen Andrang. Bei meinem werktäglichen Besuch ist die Schau von einer Handvoll Pensionisten und ein paar kichernden Mädchen bevölkert. Der neue Direktor Matti Bunzl will seine Ära offenbar um jeden Preis mit einem Publikumserfolg starten. Dabei ist das Thema ein wiengeschichtlich durchaus Interessantes. Obwohl in die Ausstellung nur Erwachsene dürfen, hält sich der Voyeurismus in Grenzen. Die Wiener Sexualgeschichte wird thematisch ausgebreitet und aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet. Auch sozialkritische Faktoren fehlen nicht, etwa kirchliche Missbrauchsskandale, Ehepolitik und Empfängnisverhütung. Wie verkrampft man mit dem Thema in den sechziger Jahren umging zeigen hübsch zeitgenössische ORF-Beiträge. Mich amüsiert auch die dort zu hörende Philippika gegen Freud von einem seiner weiblichen Opfer. Ansonsten reiht sich die Ausstellung in Sachen akzeptabler Qualität gut in die bisherige Reihe der kulturgeschichtlichen Wienausstellungen des Hauses ein. (Bis 22.1.)

Eine ungewöhnliche historische Perspektive nimmt auch Chapeau ein. Das Ziel verrät der Untertitel: Eine Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes. In thematischen Gruppen werden die semantischen und sozialen Implikationen von Hüten aller Art dargestellt. Von revolutionären Kappen bis hin zu Uniformhelmen. Durchaus erhellend. (Bis 30.10.)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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