Bei Tag und bei Nacht – Aus dem Leben eines Bergdoktors

Filmcasino 21.10. 2016

Ö 2016
Regie: Hans Andreas Guttner

Diese Dokumentation kann man nicht beurteilen, ohne sich einige grundsätzliche Fragen über das Wesen der Gattung zu stellen. Bei Bei Tag und bei Nacht fehlt nämlich eine Dimension vieler Dokumentarfilme völlig: die kritische. Man könnte den Streifen als gelungenes philanthropisches Porträt bezeichnen. Im Mittelpunkt steht ein Landarzt aus Oberkärnten mit überwiegend bäuerlichen Patienten. Wir sehen nicht nur seine Patienten in der Praxis, sondern lernen viele auch auf seinen Hausbesuchen kennen. Eingeschoben sind Szenen, welche das Alltagsleben der Kärntner zeigen. In offensichtlichen Kitsch artet das selten aus, weil Hans Andreas Guttner die existenzielle Sicht auf Krankheiten und Tod nicht ausblendet. So werden Suizide kurz thematisiert.

Was dem Film aber völlig fehlt, ist eine historische oder politische Perspektive, während die wirtschaftlichen und demografischen Probleme zumindest angerissen werden. Durch das völlige Ausblenden der politischen Lage in Kärnten und deren Implikationen ist Bei Tag und bei Nacht intellektuell wenig reflektiert. Das können die vielen hübschen Landschaftsaufnahmen leider nicht wettmachen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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