Berlinde de Bruyckere & Willhelm Lehmbruck

Leopold Museum 5.6. 2016

Ich wollte mir eigentlich vor allem die Lehmbruck-Ausstellung ansehen und bin dabei auch auf die bedrückenden Werke der Berlinde de Bruyckere gestoßen. Sie gilt als eine der wichtigsten Skulpturenkünstlerinnen der Gegenwart und das völlig zurecht. Ihre Skulpturen setzen sich auf eine brutale Art und Weise mit dem menschlichen Körper durch das Mittel der Verfremdung auseinander. Was der von mir sehr geschätzte Francis Bacon in seinen Gemälden handwerklich und konzeptuell erreicht, überträgt de Bruyckere ins Dreidimensionale. Das Ergebnis sind ausgesprochen verstörende Kunstwerke, welche unvermeidlich zur Reflexion über die menschliche Existenz, den Tod und den aktuellen Zustand der Welt anregen. (Bis 5.9.)

Wilhelm Lehmbrucks biographisches Schlüsselerlebnis war, wie bei den meisten Künstlern seiner Generation, der erste Weltkrieg. Obwohl er den Krieg nur „indirekt“ erst als Kriegsmaler und schließlich als Sanitäter in einem Berliner Lazarett erlebte, änderte sich nicht nur sein Kunststil, sondern dürften diese bitteren Erfahrungen auch einer der Gründe für seinen Freitod im Jahre 1919 gewesen sein. Die Ausstellung zeigt wesentliche Werke aus allen seinen Schaffensperioden und ist wie die meisten Retrospektiven chronologisch konzipiert. Das Frühwerk ist künstlerisch hochwertig, aber stilistisch noch nicht eigenständig, was sicher auch mit seiner Ausbildung an der konservativen Düsseldorfer Kunstakademie zusammenhängt. Persönlich sprechen mich die Arbeiten erst nach seiner expressionistischen Wende an, wo er unter anderem überlebensgroße Figuren schafft, deren Schmalheit an Rodin gemahnt. Sein wohl berühmtestes Werk ist eine Auseinandersetzung mit dem Krieg und ist ebenfalls ausgestellt: Der Gestürzte. Abgerundet wird die Retrospektive mit Arbeiten von Künstlern, welche Lehmbruck Zeit seines Lebens geprägt haben, und mit einem Blick auf dessen Rezeption. Passenderweise zählt dazu wieder Berlinde de Bruyckere. (Bis 4.7.)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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