Dichter beschimpfen Dichter

Wessen Interesse an der Weltliteratur sich auch auf deren Autoren erstreckt, wird schnell konstatieren: Es gab schon immer viel Neid und Bosheit im Literaturbetrieb. Wer das bezweifelt, kann sich in der inzwischen zehn Jahre alten Anthologie Dichter beschimpfen Dichter ein beeindruckendes Bild machen. Jörg Drews war beim Zusammensuchen der Zitate federführend. Angeordnet sind sie nach Autorennamen, unter Goethe findet man also alle Beschimpfungen über Goethe. Ab und zu findet man eine weitere Untergliederung nach Werken.

Einige Beispiele:

Die Bachmann is a arrogante Gurkn.
– H.C. Artmann

Seine Eloquenz ist lendenlahm und brüchig.
– Brutus über Cicero

Langweilige Limonade.
– Döblin über Hesse

Prosa wie aus einem oberbayerischen Landratsamt. Brei auf Stelzen.
– Deschner über Jünger

Bei Goethe ist der Roman keine Kunstform, sondern eine Rumpelkiste: gewaltsam aneinander gepappte, divergente Handlungsfragmente, hineingestreute übel an den Hauptfaden verknüpfte Novellen, Aphorismen, einander widersprechende Erziehungsmaximen, allgemeine Waidsprüchlein (totsicher den ungeeignetsten Personen in den Mund gelegt: was läßt er zum Beispiel Ottilie für onkelhaft weltkundige „Gedankensplitter“ in ihr Tagebuch schreiben! – vom fragwürdigen Wert mancher Bemerkungen noch ganz zu schweigen!).
– Arno Schmidt

Kurz: Eine sehr vergnügliche Lektüre!

Jörg Drews (Hrsg.): Dichter beschimpfen Dichter. Ein Alphabet harter Urteile (Haffmans)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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