Michael D. Coe: Breaking the Maya Code

Ein bemerkenswertes Buch, das Leser mit unterschiedlichen Interessen anspricht. Primär geht es um einen Wissenschaftskrimi, nämlich der Entzifferung der Mayaschrift, deren Bedeutung in einer Reihe mit der Entschlüsselung der ägyptischen Hieroglyphen steht. Gleichzeitig ist es ein Lehrstück in Sachen Wissenschaftssoziologie. Die korrekten Hypothesen über das Wesen der Mayaschrift wurden nämlich lange aktiv von Eric Thompson unterdrückt, dem führenden Mayaforscher seiner Generation, weil sie seinen eigenen (falschen) Theorien widersprachen. Ein Musterbeispiel dafür, wie Wissenschaft nicht funktionieren soll. So stammten wichtige Einsichten von einer Wissenschaftlergruppe aus Leningrad, deren Ideen mit antikommunistischen Kalten-Kriegs-Argumenten vom Tisch gewischt wurden. Es standen also politische und persönliche Interessen statt wissenschaftliche im Mittelpunkt.

Einige der Elemente dieser Geschichte entbehren nicht der Ironie. So war ein erst im 19. Jahrhundert entdecktes Manuskript Diego de Landas dafür verantwortlich, dass es überhaupt zu einer Entzifferung kommen konnte, enthielt es doch die einzige Übersicht über das Maya-Alphabet. Gleichzeitig war Diego de Landa während seiner Zeit bei den Maya als fanatischer Bischof dafür verantwortlich, dass die meisten Maya-Bücher verbrannt worden. Heute gibt es kaum noch Exemplare. Eines davon ist der berühmte Dresden Kodex.

Anders als es der Titel verspricht, gibt es aber auch noch eine breitere Perspektive auf das Themenfeld. Es enthält die wichtigsten grundlegenden Informationen über die Geschichte und Kultur der Maya, weshalb es sich auch als allgemein einführende Lektüre eignet.

Michael D. Coe war als Forscher immer wieder selbst in die Entzifferung der Mayaschrift involviert und kennt viele der Protagonisten. Dieser Aspekt gibt dem Buch eine persönliche Note, die man in historischen Darstellungen nur selten findet.

Michael D. Coe: Breaking the Maya Code (Thames and Hudson)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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