Kaiser Franz Joseph: Die Jubiläumsausstellungen

Aktualisiert am 2. Oktober 2016.

In fünf Ausstellungen wird des 100. Todestags des Kaiser Franz Joseph‘ gedacht. Vier davon habe ich mir inzwischen angesehen, die fünfte ist außerhalb Wiens im Schloss Niederweiden. Ich werde diese Notiz nach einem Ausflug dorthin aktualisieren.

Es ist eine seltsame Mischung, was einem insgesamt geboten wird. Als ich durch die vier thematisch unterschiedlichen Schauen schlendere, interessiert mich vor allem auch, wie Österreich im Jahr 2016 mit seiner habsburgischen Geschichte umgeht. Den Medien entnahm ich bereits vorher, dass man ein kritisches Bild zeigen wolle. Auch der Audioguide der Hauptausstellung im Schloss Schönbrunn – Mensch und Herrscher – betont das bereits zu Beginn. Das Ausstellungsdesign ist klassisch (ein höfliches Wort für „altmodisch“). In einer Mischung aus chronologischen und thematischen Stationen wird anhand von Schautafeln und diversen Exponaten das private und politische Leben aufgearbeitet. Abgesehen von sehr spärlich gesäten Monitoren mit Videomaterial, gibt es keine multimedialen Komponenten. Die zahlreichen Möglichkeiten der modernen Ausstellungsdidaktik werden kaum genutzt. Selbst der Audioguide ist nicht so professionell, wie man das von anderen Wiener Institutionen her kennt. Zum einen ist die länge der Beiträge unvorhersehbar unterschiedlich, von wenigen Sätzen für die sich das Tippen der Nummer kaum lohnt, bis hin zu sehr langen Beiträgen. Diese wurden im Nachhinein zusammengeschnitten, so dass die Beiträge oft am Ende abgeschnitten wirken. Eine dezidiert kritische Note, welcher Art auch immer, konnte ich aber nicht feststellen. Offenbar wird von Kuratoren ein Mindestmaß an historischer Objektivität bereits als kritisches Verdienst verbucht. (Bis 27.11.)

Mit Fest & Alltag beschäftigt sich im Rahmen der Reihe das Hofimmobiliendepot. Höfische Repräsentation wird mit dem Arbeitsalltag des Kaisers verglichen, der bekanntlich persönlich kein großer Freund des Luxus war. Trotzdem gab es zu offiziellen Anlässen (Staatsbankette, Bälle, Festivitäten…) den notwendigen habsburgischen Prunk. Anhand von Schaustücken und Gemälden kann sich hier einen guten Eindruck über das Hofzeremoniell verschaffen. Im Gegensatz dazu stand Franz Joseph quasi bürgerlicher Alltag, was etwa seinen Schreibtisch und dessen Utensilien angeht. Das wird auch in der ersten Ausstellung thematisiert, aber solche Doppelgleisigkeit sind bei so einem Projekt natürlich unvermeidlich. (Bis 27.11.)

Zu Beginn verwirrend finde ich Repräsentation & Bescheidenheit in der kaiserlichen Wagenburg. Die Sonderausstellung ist kaum ausgeschildert und betritt man dann den Hauptraum, sieht man auf den ersten Blick keinen Unterschied zur sonstigen Dauerausstellung. In der Mitte der Halle beginnt dann mit einer Schautafel die erste Station. Die Schau besteht vor allem darin, dass man vorhandenen Gegenständen eine neue Audioguide-Nummer gab und zusätzlich noch ein paar Bilder und Kleidungsstücke zeigt. Ein Besuch lässt sich in einer guten halben Stunde erledigen. Dieses Leichtgewicht als eine von vier „großen“ Franz-Joseph-Ausstellungen zu vermarkten, entbehrt nicht der Chuzpe. Die paar zu sehenden Objekte wie die von Franz Joseph verwendeten Fahrzeuge sind freilich durchaus interessant. (Bis 27.11.)

Außerhalb der vier „offiziellen“ Ausstellungen gibt es eine fünfte im Prunksaal der Nationalbibliothek. Sie ist mit Der ewige Kaiser. Franz Joseph I. 1830–1916 betitelt und beschäftigt sich mit der Ikonographie des Kaisers. Die Sammlung der ÖNB umfasst nämlich eine fünfstellige Zahl an entsprechenden Materialien. Zu sehen sind nicht nur thematisch-chronologisch angeordnete Schaukästen mit Erklärungstafeln, sondern vor allem auch eine zehn Meter lange Bildgalerie mit 86 Porträts aus 86 Lebensjahren. Wer sich die Frage stellt, warum Franz Josef bei vielen seiner Untertanen so bekannt und beliebt war, findet hier einige interessante Antworten. (Bis 27.11.)

Welches Fazit lässt sich insgesamt ziehen? Österreich geht vergleichsweise unverkrampft mit seiner kaiserlichen Geschichte um. Aus dieser Perspektive ist die oft provinziell wirkende Machart der Ausstellungen sympathisch. Man bemerkt das Bemühen um historische Sachlichkeit. Der habsburgische Mythos jedenfalls wird kaum gefüttert. Auch der Kaiserkitsch hält sich – abgesehen vom Franchising natürlich – in Grenzen. Freilich begibt man sich auch nie auf eine intellektuelle Metaebene, um dieses Verhältnis explizit zu hinterfragen. Eine akademischere Heransgehensweise statt der gewählten „historisch naiven“ wäre sehr wünschenswert gewesen.

25. September 2016

Herbst ist es geworden, bevor ich mir die letzte dieser Jubiläumsausstellungen ansehe: Jagd & Freizeit. Sie findet etwa 40km außerhalb Wiens im ehemaligen kaiserlichen Jagdschloss Niederweiden statt. Die Schau ist mit etwa 100 Exponaten vergleichsweise klein und bietet eigentlich keine Überraschungen. Der soziale und gesellschaftliche Aspekt der Jagd wird adäquat beleuchtet. Im Gegensatz zur unkritischen Präsentation der monarchischen Jagdleidenschaft in der Kaiservilla in Bad Ischl, fällt der aus dem Skeletten von Jagdtieren errichtete „Pavillon“ beinahe schon als kritische Provokation auf. Die Architektur und Infrastruktur der Anlage ist mindestens ebenso interessant wie die Ausstellung selbst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Kategorien

Tweets