Spotlight

Filmcasino 13.3. 2016

USA 2015
Regie: Tom McCarthy

Ein exzellenter Film, obwohl er kürzlich den Oscar bekam. Das an historische Gegebenheiten angelehnte Dokumentardrama beschreibt die Aufdeckung des riesigen kirchlichen Kindermissbrauchsskandals in Boston durch Spotlight, einem Team an investigativen Journalisten des Boston Globe. Ästhetisch ist die Stärke des Films, dass er auf alle sich bei diesem Thema aufdrängenden billigen Tricks verzichtet, sondern statt dessen differenziert auf die Nuancen setzt. Der Inhalt wird überwiegend durch Dialoge vorangetrieben. Es ist nicht nur verdienstvoll, einem breiten Publikum vor Augen zu führen, dass die Kirche seit Jahrzehnten (und mit großer Wahrscheinlichkeit seit Jahrhunderten) als eingeschworene Pädophilenmafia agiert: Klerikaler Kindesmissbräuche sind keine Einzelfälle, sondern ein systematisch vertuschtes Massenphänomen.

Das zweite Verdienst von Spotlight ist es, die Wichtigkeit von investigativem Qualitätsjournalismus in Aktion zu zeigen. Angesichts der kommerziellen Krise der Qualitätspresse wird man das wohl später einmal als cineastischen Nachruf sehen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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