Anomalisa & Sture Böcke

Filmcasino

USA 2015
Regie: Charlie Kaufman & Duke Johnson

Gut möglich, dass Anomalisa der deprimierendste Animationsfilm ist, der je gedreht wurde. Statt auf Gute-Laune-Kino wie Toy Story und Co. zu setzen, wird der Zuseher hier mit der Entfremdung des menschlichen Lebens konfrontiert. Einerseits ästhetisch, weil die animierten Figuren sich alle sehr ähnlich sehen und damit etwas Roboterhaftes aufweisen. Andererseits inhaltlich durch die gescheiterten Beziehungen der Figuren. Der Film zieht der Verlogenheit des amerikanischen Alltags die Decke über den Kopf weg. Ein irritierendes Filmerlebnis.

Island 2015
Regie: Grímur Hákonarson

Viel amüsanter dagegen ist der isländische Film Sture Böcke. Ein seit vierzig Jahren verfeindetes altes Schäfer-Brüderpaar steht im Mittelpunkt. Beide sind Nachbarn, kommunizieren aber nur schriftlich miteinander. Als im Tal eine Krankheit zum Notschlachten aller Schafe zwingt, entwickelt sich eine neue Beziehungsdynamik zwischen den beiden. Der Film und der Humor sind von einer grandiosen Lakonie, wie man das von anderen skandinavischen Filmen her kennt. Allerdings fehlen ihm die düsteren Seiten eines Aki Kaurismäki. Das heißt aber nicht, dass nicht auch menschliche Abgründe sichtbar werden. Das Tempo des Streifens ist erfrischend langsam: Es gibt viele lange Einstellungen, und auch die isländische Natur kommt nicht zu kurz. Wer diese Art des lakonisch-sarkastischen Humors mag, sollte ihn nicht versäumen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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