Gogol: Der Revisor

Burgtheater 8.9. 2015

Regie und Bühne: Alvis Hermanis

Anton Antonowitsch Skwosnik-Dmuchanowskij, Bürgermeister: Michael Maertens
Anna Andrejewna, seine Frau: Maria Happel
Marja Antonowna, beider Tochter: Dörte Lyssewski
Iwan Alexandrowitsch Chlestakow, Durchreisender: Fabian Krüger
Ossip, dessen Begleiter: Oliver Stokowski
Pjotr Iwanowitsch Bobtschinskij, Bürger: Hermann Scheidleder
Pjotr Iwanowitsch Dobtschinskij, Bürger: Dirk Nocker
Luka Lukitsch Chlopow, Schuldirektor: Johann Adam Oest
Seine Frau, Köchin: Brigitta Furgler
Amos Fjodorowitsch Ljapkin-Tjapkin, Richter: Falk Rockstroh
Artjom Filippowitsch Semljanika, Direktor des Krankenhauses und Armenasyls: Martin Reinke
Christian Iwanowitsch Hübner, Doktor der Armenanstalten: Franz J. Csencsits
Iwan Kusmitsch Schpekin, Postmeister: Dietmar König

Nach der Misswirtschaft im Burgtheater und angesichts der österreichischen Korruptionsmisere könnte man es fast fantasielos nennen, mit Gogols Revisor darauf zu reagieren. Hermanis stellt aber intelligenterweise das Korruptionsthema nicht in der Vordergrund, sondern interessiert sich für die allgemeinmenschlichen Aspekte des Stücks. Das triste Bühnenbild erinnert – wie die Aufmachung der Schauspieler – an kommunistische Provinztristesse. Wäre die Inszenierung nicht so komödiantisch, kämen einem die düsteren Filme des Aki Kaurismäki in den Sinn.

Hermanis ist hervorragend darin, einerseits hoch komische Momente zu generieren, ohne jedoch den Klamauk zu übertreiben. Es überwiegen die grotesk-boshaften Elemente. Seine Regieeinfälle sind witzig und wirkungsvoll, etwa die beiden mit Kochgeschirr veranstalteten „Konzerte“ oder das lebendige Geflügel auf der Bühne. Die hochkarätige Besetzung garantiert, dass selbst die Nebenfiguren grandios gespielt werden, angeführt von Michael Maertens als furios-dummen Bürgermeister. Im Mittelpunkt der Regie stehen offensichtlich die Schauspieler.

Nach Väter ist das jetzt die zweite Inszenierung des Alvis Hermanis, die mir fast vorbehaltlos gefällt: Eine phänomenale Studie des menschlichen Trotteltums. Ein toller Auftakt der neuen Burgtheater-Saison.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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