Sophokles: Antigone

Burgtheater 5.9. 2015

Regie: Jette Steckel

Antigone: Aenne Schwarz
Ismene: Mavie Hörbiger
Kreon: Joachim Meyerhoff
Haimon: Mirco Kreibich
Teiresias: Martin Schwab
Bote: Philipp Hauß
Chorführer: Oliver Masucci

Antigone zählt zu den besten und vielschichtigsten Dramen der Weltliteratur. Vielschichtig, weil es sich mit existenziellen Wertkonflikten beschäftigt, die bis heute relevant sind. Soll man die eigenen Werte über die Gesetze stellen? Wie streng muss ein Herrscher, die von ihm selbst gesetzten Regeln durchsetzen? Ist es vernünftig, die Religion über die Politik zu stellen? Wann ist Rebellion gegen die Eltern moralisch legitim? Das sind nur ein paar der Fragen, die das Stück des Sophokles in beindruckender Brillanz aufwirft.

1993 sah ich die Antigone einmal als tief beeindruckendes Kammerspiel auf der Perner Insel, inszeniert von Leander Haußmann – für mich bis heute eine Referenz. Jette Steckel wählt einen völlig anderen Ansatz: Sie inszeniert das antike Drama wie eine Oper. Nicht nur wird die Bühnenmaschinerie des Burgtheaters beeindruckend ausgenutzt, von einer rotierenden blendenden Lichtwand bis zur kompletten Vernebelung des Zuschauerraums. Gleichzeitig kommt oft pompöse Bühnenmusik unterschiedlicher Stilrichtungen zum Einsatz. Das ist in sich durchaus stimmig und „funktioniert“. Es lenkt aber doch zu sehr vom gesprochenen Wort ab und damit von der größten Stärke des Sophokles. Weniger opernhaftes Pathos wäre hier mehr gewesen.

Ein weiterer Einwand ist, dass die komödienhaft inszenierten Botenszenen (Philipp Hauß) unnötig an der Substanz des Stückes knabbern. Selbst Joachim Meyerhoff übertreibt es als Kreon in Sachen verrückter Extravaganz. An der schauspielerischen Leistung ist nichts auszusetzen und auch der Chor (oft im gesamten Theater verteilt) erfüllt seine Rolle tadellos.

Trotz der angesprochenen Kritikpunkte eine sehr sehenswerte Aufführung.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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