Bhagavad Gita

Die Bhagavad Gita fehlt auf keiner Liste mit den bedeutendsten Klassikern der Weltliteratur und ist gleichzeitig einer der wichtigsten religiösen Texte des Hinduismus. Ursprünglich war es kein eigenes Buch, sondern Teil des indischen Riesenepos Mahabharata. Trotz (oder aufgrund?) seiner Kürze von 700 Versen zählt dieser Auszug zu den meist gelesenen und beliebtesten hinduistischen Texten.

Wie so viele Epen beschäftigt sich auch der Mahabharata mit einem großen Krieg. Zu Beginn der Bhagavad Gita finden wir den Helden Arjuna zwischen zwei feindlichen Heeren, die für ihn ein moralisches Dilemma darstellen: Er hat Familie und Freunde auf beiden Seiten:

O day of darkness! What evil spirit moved our minds when for the sake of an earthly kingdom we came to this field of battle ready to kill our own people?
[1, 45]

Was geschieht, wenn ein Mensch moralische Bedenken hat? Es kommt ein Gott und versucht ihm dieses Zaudern auszureden. Denn Religion ist ja bekanntlich jene Kraft, die gute Menschen am besten für böse Taten motiviert. Konkret ist das hier Krishna, der praktischerweise auch seinen Streitwagen lenkt:

Think thou also of thy duty and do not waver. There is no greater good for a warrior than to fight in a righteous war.
[2, 31]

Eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben der Religion war es immer, das Volk für die Herrschenden zu mobilisieren. So offen wie hier wird das aber nur selten ausgesprochen.

Den Rest des Buches versucht Krishna nun Arjuna zu überzeugen, dass er unbedingt kämpfen muss. Er verwendet dazu unterschiedliche Strategien und beginnt mit den religiösen Kernkonzepten des Hinduismus, etwa der Reinkarnation. Später kommen weitere grundlegende Prinzipien zur Sprache, so das Kastensystem.

Krishna überzeugt Arjuna, indem er ihm die Kompatibilität seiner spirituellen Pflichten mit denen seines Alltags aufzeigt. Die Botschaft ist klar: Du kannst ein normales Leben führen und trotzdem deine religiösen Pflichten erfüllen. Das dürfte – neben der attraktiven literarischen Form – einer der Gründe für die große Popularität der Bhagavad Gita sein.

Eingestreut findet man hübsche Sätze wie diese:

From passion comes confusion of mind, then loss of remembrance, the forgetting of duty. From this loss comes the ruin of reason, and the ruin of reason leads man to destruction.
[2, 63]

Gelesen habe ich den Klassiker in einer wunderschönen bibliophilen Ausgabe der Londoner Folio Society.

The Bhagavad Gita. (Folio Society)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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