Wagner: Der Ring des Nibelungen

Wiener Staatsoper

Musikalische Leitung: Simon Rattle
Regie: Sven-Eric Bechtolf

Das Rheingold 16.5. 2015

Wotan: Tomasz Konieczny
Loge: Herbert Lippert
Fricka: Michaela Schuster
Erda: Janina Baechle
Alberich: Richard Paul Fink
Fafner: Mikhail Petrenko
Mime: Herwig Pecoraro

Die Walküre 17.5. 2015

Siegmund: Christopher Ventris
Hunding: Mikhail Petrenko
Sieglinde: Martina Serafin
Wotan: Tomasz Konieczny
Brünnhilde: Evelyn Herlitzius
Fricka: Michaela Schuster

Siegfried 20.5. 2015

Siegfried: Stephen Gould
Brünnhilde: Evelyn Herlitzius
Der Wanderer: Tomasz Konieczny
Alberich: Richard Paul Fink
Mime: Herwig Pecoraro
Erda: Janina Baechle
Fafner: Mikhail Petrenko

Götterdämmerung 25.5. 2015

Siegfried: Stephen Gould
Hagen: Falk Struckmann
Brünnhilde: Evelyn Herlitzius
Gunther: Boaz Daniel
Gutrune: Caroline Wenborne
Alberich: Richard Paul Fink

Simon Rattle hatte nur wenige Male den Parsifal in der Wiener Staatsoper dirigiert. Eine gute Entscheidung des damaligen Direktors Ioan Holenders, denn Rattle ist ein maximal mittelmäßiger Wagner-Dirigent. Beim Rheingold finde ich seine musikalische Herangehensweise noch interessant: Er setzt auf hohe Transparenz und langsame Tempi, was mich manchmal an Celibidache, manchmal sogar an Leonard Bernstein erinnert. Bei der Walküre funktioniert dieses zerfaserte Musizieren nur noch stellenweise und der Feuerzauber des Finales war an Fadesse kaum zu überbieten. Das Ende der Götterdämmerung ditto. Bei manchen Orchesterpassagen hatte ich die ernsthafte Befürchtung, Rattle würde während des Dirigierens einschlafen. Diese Art der Interpretation erzeugt im Idealfall eine unerträgliche Spannung, hier ist sie nur langweilig. Franz Welser-Möst brachte das vor zwei Jahren um Welten besser hin.

Vokal ist dieser Ring dagegen deutlich besser als orchestral. Höhepunkte sind hier Rheingold, wo es wenig auszusetzen gibt, und Siegfried. Sängerisch mein bisher bester dritter Teil des Rings. Das liegt nicht zuletzt an der phänomenalen Form des Stephen Gould, der am Ende der vier Stunden noch so frisch und energiereich sang als sei er eben auf die Bühne getreten. Evelyn Herlitzius als Brünnhilde überzeugt mich dagegen nicht restlos. Sie hat zwar eine enorme Bühnenpräsenz, weil sie ein für die Oper ungewöhnliches schauspielerisches Talent mitbringt. Ihr Stimmvolumen ist ebenfalls beeindruckend. Sie klingt allerdings in den lautesten Passagen für meinen Geschmack zu schrill. Auch die Götterdämmerung bezog ihre musikalische Qualität vor allem von Gould und Herlitzius.

Der berühmte erste Aufzug der Walküre ist auf hohem Niveau enttäuschend. Christopher Ventris singt zwar technisch einwandfrei, ist aber anscheinend nicht wirklich bei der Sache, während Mikhail Petrenko als Hunding und Martina Serafin als Sieglinde ihm deutlich überlegen sind. Michaela Schuster als Fricka liefert immer eine herausragende Leistung ab. Tomasz Konieczny Wotans ist ausnahmelos sehr kraftvoll und treffend, allerdings irritiert seine seltsame Vokalfärbung. Ohne diese wäre er der perfekte Wagner-Wotan.

Über die misslungene Inszenierung habe ich mich ja schon mehrmals ausgelassen, beispielsweise hier.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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