Doug Saunders: Arrival City

Die besten Sachbücher verändern unser Weltbild grundlegend: Arrival City ist eines davon. Doug Saunders revolutioniert unser Bild von Slums. Wir Vielgereisten kennen sie, diese schäbigen Wohnviertel am Rande von Städten. Die Stadtverwaltungen ignorieren oft die Bedürfnisse ihrer Bewohner, da sie illegal in der Stadt leben: Es gibt keine offizielle Infrastruktur.

Aus westlicher Perspektive sind Slums ein Hort der Armut und des menschlichen Versagens. In Wahrheit verhält es sich genau umgekehrt: Sie sind die Transformationsmotoren der modernen Großstädte und Ankunftskatalysatoren für Millionen Menschen, die vom Dorf in die Städte ziehen. Doug Saunders beschreibt diesen Prozess in seinem inspirierenden Buch. Seine Vorgehensweise ist dabei eine doppelte: Er bereist Ankunftsstädte, wie er Slums sehr treffend nennt, auf der ganzen Welt. Dabei ist er nicht nur in Entwicklungsländern unterwegs, sondern auch in Berlin, Paris oder Los Angeles. Er spricht mit vielen Menschen und erzählt ihre Schicksale nach, wobei er in jedem der zehn Kapitel einen unterschiedlichen Schwerpunkt setzt. Zusätzlich zu dieser reportagenhaften Vorgehensweise kommen noch Passagen, die sich mit der Urbanismus- und Migrationsforschung beschäftigen und die in Saunders eigene Thesen münden. Insgesamt eine sehr gut lesbare Mixtur.

Für uns Europäer besonders spannend sind jene Abschnitte, die sich mit der gescheiterten Zuwanderung in unseren Kontinent beschäftigen. Am Beispiel Berlin Kreuzberg arbeitet Saunders heraus, was man im Umgang mit Migranten alles falsch machen kann. Ein gut funktionierende Ankunftsstadt zeichnet sich nämlich unter anderem dadurch aus, dass sie entweder für viele Menschen eine Durchlaufstation in Richtung Mittelstand ist oder durch Legalisierung (Möglichkeit der Bewohner, Eigentum zu erwerben) ihren ursprünglichen Slumcharakter verliert.

Am Ende der Lektüre bleibt Bewunderung für die Slumbewohner: Es sind überwiegend innovative, kreative und energiereiche Menschen. Eine Bereicherung für jede Stadt.

Ein sehr gutes Buch, das sich mit einem indischen Slum beschäftigt, habe ich hier besprochen.

Doug Saunders: Arrival City (Büchergilde Gutenberg)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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