Leviathan

Filmcasino 14.3. 2015

Russland 2015

Regie: Andrey Zvyagintsev

Dutzende gut recherchierte Zeitungsartikel könnten einem keinen besseren Eindruck über Putins Russland geben als dieser großartige Film. Die Familie einer russischen Provinzstadt kämpft gegen einen korrupten Bürgermeister, dem die ganze Prominenz hörig ist, und der ihr Haus enteignen will. Der Vertreter der orthodoxen Kirche spielt dabei ebenfalls eine unrühmliche Rolle. Die Empörung des offiziellen Russland über den Film ist entsprechend groß. Gezeigt wird nicht nur die Willkür einer Diktatur, sondern auch die deprimierende Wirkung derselben auf die Menschen, die ihre Verzweiflung in Wodka zu ersäufen versuchen. Auch die Opfer werden deshalb schnell zu Tätern: Die fiktionale Welt ist so komplex wie die Wirklichkeit. Die existenzielle Dimension des Leviathan schließt nahtlos an die Tradition der russischen Hochkultur an. Die Linie von Dostojewski über Schostakowitisch bis hin zu Tarkowski ist deutlich zu erkennen. Das gilt auch für die Filmästhetik: Viele Szenen wurden in der Dämmerung gedreht, was zu einer packenden Lichtstimmung führt. Zvyagintsev findet jede Menge fantastischer Kinobilder. Ein deprimierendes Meisterwerk und ein starkes Lebenszeichen des anderen Russland.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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