Lady Macbeth von Mzensk

Wiener Staatsoper 11.3. 2015

Dirigent: Ingo Metzmacher
Inszenierung: Matthias Hartmann
Boris Ismailow: Kurt Rydl
Sinowi Ismailow: Marian Talaba
Katerina Ismailowa: Angela Denoke

Wie schade es ist, dass die Wiener Staatsoper nicht öfters Opern aus dem 20. Jahrhundert spielt, belegt dieser makellose Abend. Das Staatsopernorchester spielte Schostakowitschs Musik als säßen sie als Wiener Philharmoniker in einem ihrer Orchesterkonzerte. Auch vokal gab es keine Schwachstelle: Vom furios stimmgewaltigen Kurt Rydl über den klar phrasierenden Marian Talaba zur ausdrucksstarken Angela Denoke.

1934 in Leningrad aufgeführt schildert sie die aus niedrigen Instinkten begangene Mordserie einer reichen, frustrierten Kaufmannsgattin. Das war oberflächlich politisch korrekt, da eine unmoralische Kapitalistin vorgeführt wird, und es sich vorsichtshalber um die Vertonung einer klassischen russischen Novelle handelt. Der Bezug zu Stalins Russland und seinen irrationalen Tötungen lag aber für alle deutlich sichtbar gleich unter dieser Oberfläche. Die musikalischen Sexszenen zeigen ebenfalls in den Mut Schostakowitsch‘.

Die Geschehnisse in Leskovs Novelle sind allerdings noch grausamer als im Libretto. So wird in der Oper der Mord an einem Kind ausgespart. Angesichts der Zeitläufte ist Lady Macbeth von Mzensk so aktuell wie damals in den Dreißigern.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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