Büchner: Dantons Tod

Burgtheater 31.10. 2014

Regie: Jan Bosse

Bühne: Stéphane Laimé

George Danton: Joachim Meyerhoff
Camille Desmoulins: Peter Knaack
Lacroix: Daniel Jesch
Thomas Payne/Richter: Ignaz Kirchner
Robespierre: Michael Maertens
St. Just: Fabian Krüger
Julie, Dantons Gattin: Adina Vetter
Lucile, Gattin des Camille Desmoulins: Aenne Schwarz

Zwei Stars beherrschen diesen Theaterabend: Joachim Meyerhoff und die Bühnentechnik des Burgtheaters. Stéphane Laimé ließ eine aufwändige Drehbühne konstruieren, die fast pausenlos in Bewegung bleibt, und auf zwei Ebenen unterschiedliche Schauplätze zeigt, die aber jeweils nur kurz benutzt werden. Darunter sehr hübsch ein Haufen konfiszierter Kruzifixe. Die Choreografie der Bühne selbst sowie der körperliche Einsatz der Schauspieler führen zu einem beeindruckendem Theatererlebnis: Es gibt fast keinen Moment der Ruhe. Selbst ein Kinderchor wird intelligent in das Gesamtensemble einbezogen.

Dieser Burgtheaterbühnendauerbetrieb hat allerdings einen gravierenden Nachteil: Er passt so gar nicht zum intellektuellen Duktus von Dantons Tod. Die ausgesprochenen Gedanken bedürfen eines ruhigen Resonanzraums und verlieren viel, wenn sie von einem im Kreis laufenden Meyerhoff gerufen werden. Mir wurde zum ersten Mal bewusst, dass Büchners intellektueller Anspruch bereits auf Musils Die Schwärmer voraus weist. Es hilft auch nicht, dass die Aufführung mit zusätzlichen Büchnertexten angereichert ist. Von Briefausschnitten bis zum Märchen im Woyzeck. Meyerhoffs Leistung ist freilich wie immer auf hohem Niveau und man merkt, dass er sich intensiv mit jedem Satz auseinandersetzte. Maertens steht ihm da als Robespierre um nichts nach, und spielt den Tugendterroristen mit einer subtilen salafistischen Schmierigkeit. Der Rest des Ensembles spielt ausnahmelos auf hohem Niveau.

Jan Bosses Inszenierung scheitert also auf so hohem Niveau, dass sie trotzdem sehr sehenswert ist.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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