Miró und Arnulf Rainer in der Albertina

Albertina 5.10. 2014

Erst nachdem der junge Miró nach zwei Jahren Büroarbeit einen Nervenzusammenbruch hatte, durfte er eine künstlerische Ausbildung machen. Von der Erde zum Himmel ist für einen Blockbuster-Künstler eine sympathische Ausstellung. Nicht zu umfangreich, aber trotzdem sind dank vieler Leihgaben die zentralen Schaffensphasen gut zu verfolgen. Erste Schritte hin zu seiner abstrakten Symbolsprache ging Miro bereits mit seinen frühen Landbildern aus der Zeit in Montroig. Die überdimensionalen Füße einer Bäuerin zeigen, dass er bereits zu Beginn zu jeglicher Art des Realismus auf Distanz ging. Seine malerische Grammatik bildete sich dann in den zwanziger Jahren heraus, wo er sich immer wieder in Paris aufhielt, und die damalige Avantgarde kennenlernte. Im nächsten Jahrzehnt gelang es Miró erstaunlicherweise, seine im Grund doch verspielte Symbolsprache so zu verwenden, dass er die Verzweiflung und Unsicherheit der dreißiger Jahre einfangen konnte. Vom oft großformatigen Spätwerk sind ebenfalls repräsentative Stücke zu sehen.
(Bis 11.1.)

Passenderweise im Keller ist die abgründige Retrospektive Arnulf Rainers zu sehen. Er ist einer jener Künstler, welche sich mit radikalen Mitteln mit den Zumutungen des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen. Sei es von den vergleichsweise „harmlosen“ Übermalungsbildern als Protest gegen die dekorative Funktion der Kunst bis hin zur düsteren Bearbeitung von Hiroshima-Fotos. Bedrückend und beeindruckend sind seine phänomenalen Selbstportraits („Face Farces“) sowie seine künstlerische Auseinandersetzung mit Totenmasken: Kunst als existenzielle Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit.
(Bis 6.1.)

2 Antworten auf Miró und Arnulf Rainer in der Albertina

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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