Aischylos: Die Perser

Keines Mannes Knechte oder Untertanen heißen sie.
(Aischylos)

Meine Lektüre ist derzeit von der bevorstehenden dreiwöchigen Iran-Studienreise geprägt. Ich nutze die Gelegenheit, mich zum ersten Mal intensiv mit den Persern zu beschäftigen. Ein guter Anlass also, mir Aischylos Drama wieder vorzunehmen. Die Perser wurde 472 vor unserer Zeitrechnung aufgeführt und ist damit die erste überlieferte griechische Tragödie. Das Werk ist in vieler Hinsicht bemerkenswert. Im Mittelpunkt steht nämlich die Brutalität des Krieges, welche nicht nur für die europäische Geschichte ein beständiger Begleiter sein wird. Erstaunlich ist, mit welcher Empathie Aischylos die Leiden der Feinde ins Zentrum rückt. Zwar dient das Stück vor allem dem patriotischen Zweck, den Sieg der Athener bei Salamis zu feiern. Trotzdem schildert der Autor drastisch die Kriegsfolgen für ein Land:

Die Klippen auch und Ufer waren überschwemmt von Leichen.

Zu Beginn ist das Schicksal des persischen Heeres noch unklar, es gibt aber düstere Vorzeichen sowohl in der Rede des Chors als auch durch den Traum der Königsmutter Atossa. Wie der Bote dann die schlechte Nachricht verkündet, um sie dann im gruseligen Detail auszuführen, ist auch heute auf der Bühne noch sehr wirkungsvoll. Erwähnenswert ist auch, dass bereits im ersten überlieferten Drama ein Geist seinen Auftritt hat: Dareios. Hier spannt sich ein hübscher literaturgeschichtlicher Bogen zum Auftritt von Hamlets Vater.

Ästhetisch nimmt Aischylos in seinem frühen Stück zentrale Aspekte der späteren Tragödien vorweg. Etwa das auch strukturell wichtige Konzept der Hybris. Hier ist es Xerxes, dessen Vermessenheit die Götter mit dieser Katastrophe strafen. Ein würdiger Auftakt der europäischen Theatergeschichte.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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