Svend Gade, Heinz Schall: Hamlet (1921)

Filmcasino 9.3. 2014

Heidelinde Gratzl: Akkordeon
Jovan Torbica: Kontrabass

Dieser Hamlet war für mich eine völlige Überraschung: Hamlet wurde nicht nur von Asta Nielsen gespielt, sondern war auch in der Geschichte in Wahrheit eine Frau. Gertrude brachte nämlich ein Mädchen zur Welt, gab es aber als Jungen aus, um die Thronfolge zu sichern. Das löst dann tatsächlich auch ein Geschlechterchaos aus, weil Ophelia nun als Geliebte nicht mehr in Frage kommt, dafür die Männer für Hamlet plötzlich attraktiv werden. Diese Interpretation basiert auf dem Buch The Mystery of Hamlet (1881) des amerikanischen Shakespeare-Forschers Edward P. Vining.

Das wirkt noch heute verstörend irritierend, weil – abgesehen von einigen bei Shakespeare nicht enthaltenden Szenen – der Kern des Dramas beibehalten wird. Inklusive der Entlarvung durch eine Theateraufführung. Der freie Umgang mit den Geschlechterrollen überrascht mich sehr, obwohl ich natürlich weiß, dass die zwanziger Jahre gerade in Berlin sehr freizügig waren. Ein spannendes Filmerlebnis, zumal die gelungene Livemusikbegleitung zusätzlich für Atmosphäre sorgte.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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