Ozu Yasujiro: Late Spring (1949)

Dieser späte japanische Frühling kurz nach dem zweiten Weltkrieg konzentriert sich scheinbar auf das Private. Ozu Yasujiro analysiert, wie soziale Konventionen das Glück der Menschen beeinflussen. Wie negativ dieser Einfluss sein kann, zeigt das zentrale Ereignis des Films: Eine ausgesprochen traurige Hochzeit. Die Braut ist Noriko, die von ihrem Vater Shukichi Somiya in die Ehe gedrängt wird. Der ist allerdings kein Spießer, sondern ein intellektueller Professor und will für seine Tochter wirklich nur das Beste. Noriko würde am liebsten bei ihrem verwitweten Vater bleiben, was dieser aber in ihrem Interesse strikt ablehnt. Ansonsten gibt es noch die Tante Masa, deren aufdringliche Kuppeleiversuche die Angelegenheit erst in Gang bringen.
Ästhetisch ist der Film makellos. Yasujiro arbeitet oft mit Aussparungen. Selbst wichtige Szenen zeigt er nicht. In diesem Fall ist die Hochzeit genialerweise ausgespart, obwohl sie eines der wichtigsten Handlungselemente ist. Wir werden als Zuseher nur mit den Konsequenzen konfrontiert. Die narrative Strategie des Regisseurs erinnert an einen formal sorgfältig gebauten Roman.

Late Spring (DVD)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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