Woyzeck

Wiener Volkstheater 29.12. 2013

Nach dem Stück von Georg Büchner
Songs und Liedtexte von Tom Waits und Kathleen Brennan
Konzept von Robert Wilson
Textfassung von Ann-Christin Rommen und Wolfgang Wiens

Woyzeck: Haymon Maria Buttinger
Marie: Hanna Binder
Hauptmann: Thomas Kamper
Tambourmajor: Christoph F. Krutzler
Doctor: Ronald Kuste
Andres: Tany Gabriel
Margreth: Susa Meyer
Karl: Matthias Mamedof
Ausrufer: Thomas Bauer
Beatboxing: Sara Siedlecka

Band
Imre Lichtenberger-Bozoki/
Alexander Wladigeroff,
Florian Fennes/Lisi Stiger,
Vladimir Kostadinovic/Jörg Mikula,
Michael Kröss/Markus Kraler,
Moritz Wallmüller/Roland Wesp

Diese Inszenierung ist die Adaption der Adaption des Robert Wilson. Auf den Punkt gebracht: Es ist ein Woyzeck-Musical mit der Musik von Tom Waits. Klingt seltsam und ist es auch. Eingangs sei erwähnt, dass die Aufführung handwerklich und musikalisch exzellent ist und auch einige sehr starke Theaterbilder generiert, speziell am Anfang und am Ende. Haymon Maria Buttinger als Woyzeck hat eine grandiose Bühnenpräsenz.

Ästhetisch scheitert dieses prinzipiell interessante Projekt aus mehreren Gründen: Erstens zählt radikale Reduktion zur größten Stärke des Büchner-Textes. Diese Reduktion durch zusätzliche Elemente aufzuweichen, benötigte exzellente Gründe. Da reicht es nicht aus, dass Tom Waits düstere Songs schrieb, die irgendwie zu einem düsteren Theaterstück passen. Zweitens passt die Welt des Woyzeck und die Welt des Tom Waits so überhaupt nicht zusammen. Die Assoziationen zur Musik kommen sich mit den Assoziationen zum Text störend in die Quere. Drittens sind manche Elemente in der Inszenierung so stark überzeichnet, dass sie die Wirkung verlieren. So wird der Doktor als Wissenschaftlerkarikatur der billigsten Sorte gespielt, was der Sozialkritik jegliche Substanz nimmt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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