Master of the Universe

Filmcasino 22.12. 2013
Deutschland 2013
Regie: Marc Bauder

Die in den letzten Monaten abgeflaute Krisendiplomatie darf nicht darüber hinweg täuschen: Die Finanzkrise ist längst nicht ausgestanden. Sie gefährdet nach wie vor das europäische Projekt. In einigen EU-Ländern wie Spanien kann man live eine zivilisatorische Abwärtsspirale erleben. Die Deregulierung der Finanzbranche in den letzten dreißig Jahren ist einer der Hauptgründe für die aktuelle Situation.

Doch was spielt sich hinter den Kulissen der Banken tatsächlich ab? Marc Bauder versucht in seinem Dokumentarfilm darauf eine Antwort zu geben. Rainer Voss, ein ehemaliger Investmentbanker, erzählt ausführlich von seinen Erfahrungen. Voss war kein hochrangiger Bankmanager, aber er war Zeit seines Berufslebens ein hochbezahlter Investmentexperte und gestaltete die Veränderungen der letzten Jahrzehnte mit. Als er anfängt, ist die Finanzwelt in Deutschland noch streng reguliert und überschaubar. Als er aufhört, verlässt er einen unbeherrschbaren Moloch.

Die Gespräche finden in einem leer stehenden Frankfurter Bankgebäude statt. Voss erzählt von der kritiklosen Arbeitskultur einer Großbank, von durchgemachten Nächten und Überstunden, vom Gefühl durch Großaufträge die Weltgeschichte beeinflussen zu können, vom Leben in einer vom Alltag abgeschotteten Parallelwelt. Immer wieder wird deutlich, wie Systeme und Strukturen ein Eigenleben entwickeln. Am Ende steht ein düsteres Fazit: Voss hält die Beteiligten auch nach der letzten Katastrophe für lernunfähig und ist von einem bösen Ende in Europa überzeugt.

Immer wieder unterbricht Bauder die Gesprächspassagen mit Bildern der Frankfurter Skyline, deren unfertige Hochhäuser am Ende mit einer starken Symbolik aufgeladen sind, wozu auch die Filmmusik einen wichtigen Beitrag leistet. Eingespielt werden auch dokumentarische Beiträge über die Bankenkrise.
Fazit: Ein inhaltlich und ästhetischer gelungener Dokumentarfilm über eines der wichtigsten Themen unserer Zeit.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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