Ibsen: Die Frau vom Meer

Akademietheater 28.11. 2013

Regie: Anna Bergmann

Doktor Wangel, Bezirksarzt: Falk Rockstroh
Ellida, seine zweite Frau: Christiane von Poelnitz
Bolette, seine ältere Tochter aus erster Ehe: Alexandra Henkel
Hilde, seine jüngere Tochter aus erster Ehe: Jasna Fritzi Bauer
Arnholm, Oberlehrer: Tilo Nest
Lyngstrand: Christoph Luser
Ballested: Franz J. Csencsits
Kind: Maxi Gerstbach

Einmal mehr bestätigt sich: Das Akademietheater ist die beste Bühne Wiens. Anna Bergmanns Inszenierung ist ebenso klug wie packend. Zu Beginn sieht man die kahle Wand der Bühne, welche die Schauspieler nie verlassen. In dieser minimalistischen, mit einer Handvoll Requisiten angereicherten Szenerie findet die Exposition statt. Wenn die Handlung an Fahrt gewinnt, wird ein klassisch-weißes Bühnenbild von der Decke herab gelassen. Diese weißen Zimmerwände werden als Videoprojektionsfläche benutzt: In schnellen Schnittfolgen werden Erinnerungen und Szenen aus der Vergangenheit eingeblendet. Dramatische Szenen werden durch projizierte „Live-Nahaufnahmen“ verstärkt. Bergmann gelingen starke Theaterbilder, etwa wenn Ellida während ihres Zusammenbruchs die Bretter aus dem Fußboden reißt, unter dem sich Wasser verbirgt. Später versucht ihr braver Gatte Dr. Wrangel die Bretter wieder in Ordnung zu bringen. Es misslingt: Die Beziehung kann nur zu einem kleinen Teil repariert werden. Durch die ganze Inszenierung zieht sich eine überraschend gelungene Wassermetaphorik. Bergmann greift auf fast ausgeleierte Regiemittel zurück, setzt diese aber klug und ästhetisch adäquat ein.

Alle Schauspieler sind exzellent, herausragend allerdings Christiane von Poelnitz, welche das Abgleiten der Frau vom Meer in den Wahnsinn mit einer gänsehautinduzierenden tragischen Authentizität spielt. Es gibt wenige Theaterklassiker aus dem 19. Jahrhundert, die heute noch so taufrisch wirken wie die Stücke Ibsens.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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