Klangforum Wien: Ein Abend für Mantegna

Konzerthaus 10.10. 2013

Ein Abend für Mantegna
Aureliano Cattaneo – Parole di settembre I-III

Donatienne Michel-Dansac, Sopran
Daniel Gloger, Countertenor
Otto Katzameier, Bariton
Arotin & Serghei, Visuals
Dirigent: Michael Wendeberg

Es war auf mehreren Ebenen ein außergewöhnliches Konzert. Zum einen fand es ausnahmsweise im Großen Saal des Wiener Konzerthauses statt. Einerseits wohl aus Respekt, weil es dem im September gestorbenen Hans Landesmann gewidmet war, dessen Salzburger Konzertprogramm für die Festspiele ich in den neunziger Jahren viele Entdeckungen verdankte. Andererseits weil Parole di settembre von der Videoinstallation Infinite Screen begleitet war, die auf eine riesige Leinwand hinter dem Orchester projiziert wurde. Sie interagierte mit der Musik, speziell mit den drei Vokalisten und bot ansonsten einen abwechslungsreichen abstrakten Kommentar. Immer wieder wurden Werke des Renaissance-Künstlers Andrea Mantegna einbezogen.

Hier gibt es auch einen Konnex zum siebzigminütigen Stück des Aureliano Cattaneo, in dem die Madrigalform immer wieder deutlich hörbar zitiert wird. Grundlage für die gebotene Vokalkunst der drei Solisten sind die Parole di settembre des vor drei Jahren verstorbenen italienischen Dichters Edoardo Sanguinetti. Die Lyrik bezieht sich auf Bilder des Andreas Mantegna, womit sich der thematische Kreis schließt.

Freilich vertont Cattaneo Sanguinetti nicht wie Schubert die Gedichte des Wilhelm Müller. Cattaneo greift Teile heraus und gibt seinen Sängern auch viel Gelegenheit für averbale Laute, zuvörderst Seufzer. Seine Musik wird auch nur selten laut, sondern lotet Klangräume an deren Rändern aus und an der Hörbarkeitsgrenze aus.

Musikalisch interpretierte das Klangforum Wien das Werk erwartungsgemäß makellos. Eine solche Perfektion findet man musikalisch in Wien nur selten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets

  • Endlich wieder Regen. 6 Stunden
  • Die nächsten beiden Tage nur mit Handgepäck unterwegs. Mein Koffer reist nach Kyoto voraus. 7 Stunden
  • Heute geht es vier Stunden lang mit dem Zug von Takayma zum Ise-Schrein am Pazifik. Tagesziel ist Toba. 7 Stunden