Carl Dreyer: Ordet (1955)

Es hätte ein guter Film über Religion sein können: Ein Soziogramm in Verbindung mit psychologischen Einzelstudien. Erzählt Ordet doch eine Romeo-und-Julia-Geschichte mit religiösem Hintergrund aus der dänischen Provinz. Die beiden betreffenden Familien gehören unterschiedlichen christlichen Sekten an, weshalb eine Heirat ausgeschlossen erscheint. Garniert wird das Ganze durch einen religiös völlig durchgeknallten Bruder, der hübscherweise durch das Theologiestudium eine Psychose bekam und sich jetzt für Jesus hält. Um die Konstellation abzurunden, gibt es einen weiteren Bruder, den Religion gleichgültig lässt. Das dürfte der Grund sein, warum die Haupttragödie des Films um seine Gattin kreist: Sie stirbt im Kindbett. In Szene ist das Ganze gesetzt als wäre es ein Theaterstück.

Leider kippt der Film am Ende ins Trottelhafte: Der psychotische Bruder erweckt seine Schwägerin scheinbar vom Tod und es gibt ein fulminantes Happy End. Dieser Kitsch entwertet den expressiven Gehalt des Werks im Nachhinein.

Eine Antwort auf Carl Dreyer: Ordet (1955)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Kategorien

Tweets