Grillparzer: Die Ahnfrau

Burgtheater 9.9. 2013

Regie: Matthias Hartmann

Graf Zdenko von Borotin: Ignaz Kirchner
Berta, seine Tochter: Maik Solbach
Jaromir: Oliver Masucci
Boleslav / Günther, Kastellan: Johann Adam Oest
Ein Hauptmann: Franz J. Csencsits
Ein Soldat / Die Ahnfrau: Sven Dolinski

Sagen wir es so: Hätte Grillparzer nur Die Ahnfrau geschrieben, wäre er heute zu Recht vergessen. Handelt es sich doch buchstäblich um eine Räuberpistole ganz im Zeitgeschmack der gothic novels. Es treten auf Gespenster & verkannte Räuberhauptmänner, stürmische Nächte & Spukschlösser, Beinahe-Inzest & Vatermord und was dieses Genre sonst noch gerne hat.

Matthias Hartmann inszeniert das im inzwischen sehr bewährten Hartmann-Kasinoinszenierungsstil, der sich unter anderem dadurch auszeichnet, dass man mit spärlichen Requisiten auskommt und Elemente des epischen Theaters verwendet werden, indem beispielsweise die Schauspieler aus ihren Rollen heraustreten und die Texte quasi „als dritte Person“ lesen. Distanz zum Text wird auch mit anderen Mitteln signalisiert: Berta und die Ahnfrau werden, nicht unkomisch, von Männern gespielt. Die Schauspieler sind so ausgezeichnet, wie man das vom Burgtheaterensemble gewöhnt ist. Insgesamt gibt das einen interessanten Theaterabend. Unklar bleibt, warum ausgerechnet Die Ahnfrau zu dieser Ehre kommt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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