John Stuart Mill: On Liberty

The only freedom which deserves the name, is that of pursuing our own good in our own way, so long as we do not attempt to deprive others of theirs.

Wir sind Zeitzeugen, wie fundamentale Grundrechte selbst von demokratischen Ländern ignoriert werden. Sei es die amerikanische Verfassung, sei es das deutsche Grundgesetz: Der geheimdienstliche Überwachungswahn gefährdet jene Freiheiten, die er zu schützen vorgibt. Die neue Weltreligion heißt Sicherheit. Eine passende Zeit also, die klassischen Texte wieder zu lesen, auf denen unsere modernen Werte des menschlichen Zusammenlebens beruhen.

Ein Klassiker über Freiheit ist John Stuart Mills On Liberty. Ursprünglich als kurzer Essay geplant, ist das 1859 publizierte Werk ein kleines Buch geworden. Mill hatte als Ausgangspunkt seine umfangreichen historischen Kenntnisse, etwa über den Absolutismus, die zeitgenössischen Schurkenstaaten wie Russland und die zarten Hoffnungsträger in Sachen Freiheit wie die USA und natürlich auch sein eigenes Land: Großbritannien. Letzteres ist aber gleich wieder zu relativieren, geht er doch streng mit dem schädlichen Konformismus ins Gericht, der sich im britischen Bürgertum ja bis heute gehalten hat.

Man kann On Liberty überhaupt als eine Brandrede gegen den Konformismus lesen. In den beiden wichtigsten Kapiteln des Essays rechtfertigt Mill mit nach wie vor gültigen Argumenten die Meinungsfreiheit und das Recht auf Individualität.

Freiheit definiert Mill negativ durch deren Grenzen:

That the only purpose for which power can be rightfully exercised over any member of a civilized community, against his will, is to prevent harm to others. His own good, either physical or moral, is not a sufficient warrant.

Das ist der aktuellen Tendenz, den Menschen auch in der westlichen Welt staatlich vorschreiben zu wollen, wie sie sich privat korrekt zu verhalten haben, natürlich entgegen gesetzt.

Obwohl Mills Plädoyer für Individualität in einer gewissen Spannung zu seiner utilitaristischen Ethik steht, argumentiert er doch sowohl bei der Meinungsfreiheit als auch beim Individualismus vom gesellschaftlichen Nutzen her. Es sei für die Gesellschaft besser, von der Mehrheit abweichende Meinungen zu hören, und starke Individuen zu haben, weil sich die erkenntnistheoretische und soziale Dynamik positiv auf eine fortschrittliche Entwicklung auswirke.

Pflichtlektüre in Zeiten wie diesen!

John Stuart Mill: On Liberty (Oxford World’s Classics)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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