Didi Sattmann & Wiener Typen

Wien Museum 13.7. 2013

Eine fotografische Wien-Erkundung der Extraklasse ist Didi Sattmanns Projekt WIEN AUSSEN. Der Fotograf porträtiert Wienerinnen & Wiener an der Peripherie Wiens, wobei das nicht notwendigerweise geographisch gemeint ist. Zwar spielt der Stadtrand eine wichtige Rolle als sein Jagdrevier, aber „Peripherie“ ist auch metaphorisch gemeint. Sattmann interessieren Existenzen, die am Rande stehen. Bewohner von Notunterkünften, Behindertenheimen, Migrantenmärkte, aber auch das Treiben auf der Donauinsel. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, denen freilich die oft kaurismäkihafte Kulisse zusätzlich Leben verleiht. Die Fotos denunzieren nie, sondern sind von einem sympathischen Blick geprägt. Anders etwa als man das von den Filmen des Ulrich Seidl her kennt. Die Ausstellung zeigt nicht nur viele Fotos an den Wänden. Zusätzlich werden abgeschlossene Themen in Slideshows auf Monitoren präsentiert. (Bis 8.9.)

Die Hauptausstellung des Hauses widmet sich den Wiener Typen:

Als „Wiener Typen“ bezeichnete man populäre Bildserien mit stereotypen Darstellungen von Straßenhändlern und anderen als stadttypisch geltenden Figuren: Lavendelfrauen und Wäschermädel, „freche“ Schusterbuben und jüdische Hausierer, arme Musikanten und stolze Fiaker. Als kulturelle Konstruktionen zirkulierten sie in vielerlei Medien wie Druckgrafik oder Fotografie, waren aber auch beliebte Sujets in Feuilleton und Wienerlied.

In einer chronologischen Abfolge wird die Geschichte dieser Abbildungen dargestellt. Das ist bereits der interessanteste Teil der Ausstellung. Mir selbst waren viele der gezeigten Beispiele, darunter viele alte Drucke bzw. Reproduktionen unbekannt, und ich konnte so einen neuen Aspekt der Wiener Kulturgeschichte kennenlernen. Andererseits kratzt die sozialgeschichtliche Aufarbeitung nur an der Oberfläche: Es wird viel präsentiert und weniger als wünschenswert analysiert. Der Katalog sollte hier ergiebiger sein als die Texte bei den Exponaten, weshalb ich mir ein Exemplar mitnahm. (Bis 6.10.)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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