Fritz Lang: Metropolis (1927)

Die restaurierte Fassung sah ich eben zum ersten Mal. Metropolis ist einer jener Klassiker, deren Ästhetik und formale Brillanz ich zwar durchaus bewundern kann, der mich persönlich aber nur bedingt anspricht. Dabei ist die dystopische Technikzukunft aktueller denn je, denkt man an den Überwachungswahn oder an die Horden von Arbeitern, die in chinesische Riesenfabriken marschieren.

Zwei Aspekte finde ich besonders interessant: Erstens die architektonische Darstellung der Zukunft, die ja sehr an zeitgenössische Formen der Kunst wie den Kubismus erinnert. Zweitens die versuchte Synthese zwischen Mythen und Moderne. Was Goethe im Faust so genial umsetzte, versucht Lang hier im Film. Mich erinnert zumindest die Szene der Robotererschaffung sehr an jene mit dem Homunkulus.

Nachdem sich der Mensch nicht ändert, ist die moderne Welt natürlich vor Atavismen nicht gefeit, wie die Hexenbrennungsszene am Ende ebenso überzeugend zeigt wie die starken Assoziationen an die Sintflut, wenn die unterirdische Arbeiterstadt überschwemmt wird. Fritz Lang jagte für diese in Wien gedrehten Szenen übrigens über Tage seine arbeitslosen Statisten und unterernährten Kinder im Herbst ins eiskalte Wasser.

Metropolis (Blu-Ray, Special Edition)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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