Die Ballade von El Muerto

Wiener Festwochen / Hundsturm 12.6. 2013

Komposition von Diego Collatti
Text von Juan Tafur

Während der Vorstellung denke ich die ganze Zeit darüber nach, wann ich letztes Mal so schlechtes Theater gesehen hatte: Mir ist kein Beispiel eingefallen.

Im Mittelpunkt der völlig vorhersehbaren Geschichte steht der das Leben des Auftragskillers El Muerto, der im Polizeigewahrsam in Rückblenden Stationen seines Lebens reflektiert. Das ist strukturell nicht sehr originell und inhaltlich wird nicht mehr aufgetischt als man ohnehin schon kennt. Begleitet und abgegrenzt werden die Episoden von musikalischen Einlagen (sechs Musiker plus Sänger), die in einem willkürlichen Mischmasch von Genres bestehen (von Neuer Musik über Hardrock bis zur Oper).
Zu Beginn hatte ich auf Ironie oder gar Sarkasmus gehofft, aber mangels entsprechender Signale, vermute ich einmal: es war alles ernst gemeint. Das Bühnenbild besteht aus in mexikanischen Farben gehaltenen Drogenpaketen, welche – geniale Regieidee! – von den Schauspielern immer wieder herum getragen und umgestapelt werden.

Ästhetisch satisfaktionsfähig waren die letzten fünfzehn Minuten, aber das reicht für einen Musiktheaterabend nicht.

Eine Antwort auf Die Ballade von El Muerto

  • Georg Steker sagt:

    Sehr geehrter Herr Köllerer!

    Ich respektiere jede Kritik, auch wenn sie öffentlich gemacht ist, über Stücke, die ich entwickelt habe. Ja ich bis sogar dankbar. Hat man sein Ego nicht so irritierend tief im öffentlichen Erfolgsdruck verankert, bildet jeder Diskurs doch die Chance einen weiteren Blick auf das Geschehene zu werfen . zu lernen im besten Fall.
    Ich bin bei ihrer Kritik zumindest mit 2 Punkten nicht einverstanden, weil sie mir nicht reflektiert scheinen:
    die Geschichte ist vieles, wohl aber nicht völlig vorhersehbar. Oder wollen sie mir näher darlegen, auf welcher Realebene dieses Spiel platziert ist. Ich werde Sie gerne korrigieren.
    Die Musik ist nicht willkürlich so gesetzt, sondern folgt ganz klarer und nachvollziehbarer Formenordnung. Der Stilpluralismus ist Teil der Lateinamerikanische Musik und Gesellschaft-Realität. Aber das wissen Sie bestimmt.
    Ich freue mich auf einen Diskurs.
    Mit besten Grüßen,
    georg Steker

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets

  • Und servus! https://t.co/1vGSCMFM9F 2 Stunden
  • In Wien müsste bei einer buddhistischen Feuerzeremonie übrigens immer ein Feuerwehrmann dabei sein. 2 Stunden
  • Die Studienreise zwei Tage hinter uns darf den Typhoon im Kloster mit Papierwänden erleben. Dieses Glück haben auch nicht alle. 3 Stunden