Molnar: Liliom

Burgtheater 14.4. 2013

Regie: Barbara Frey

Liliom: Nicholas Ofczarek
Julie: Katharina Lorenz
Marie: Marie Hörbiger
Frau Muskat: Barbara Petritsch
Luise: Jasna Fritzi Bauer
Frau Hollunder: Brigitta Furgler
Ficsur: Daniel Sträßer
Wolf Beifeld: Michael Masula
inzmann / Erster Polizist: Hermann Scheidleder
Konzipist / Zweiter Polizist: Peter Mati

Obwohl Liliom ein Wiener Theaterklassiker ist und in der Tradition des Wiener Volksstücks (Nestroy!) steht, wurde er in Wien erst vier Jahre nach seiner Budapester Uraufführung aufgeführt: Am 28.2. 1913 im Theater in der Josefstadt. Das Stück erzählt die Geschichte des „Strizzis“ Liliom, der wegen des Dienstmädchens Julie seinen gut bezahlten Beruf im Wiener Prater aufgibt, um seine Tage danach mit Depressionen, Saufen und dem Schlagen seiner geduldigen schwangeren Freundin zu verbringen. Julie erinnert dank ihres Typs der bedingungslos Liebenden an die fragwürdigen Frauenpersonen, die Lars von Trier in seinen Filmen bevorzugt. Nachdem sich Liliom zu keiner ehrlichen Arbeit aufraffen kann, entschließt er sich zu einem Raubüberfall, der aber so ungeschickt scheitert, dass er sich einer Verhaftung nur durch Selbstmord entziehen kann. Es folgt die amüsanteste Szene des Stücks, das Verhör des Strizzis durch die Himmelspolizei, die ihn nach sechszehn Jahre Fegefeuer auf die Erde zurückschickt, wo er seine inzwischen sechszehnjährige Tochter treffen kann. Das ambivalente Ende macht viele Schwächen des Stücks (Kitsch!) wieder wett, kann diese aber nicht aufheben.
Barbara Petritsch lässt die Szenen vor einer imaginären Praterlandschaft spielen, wobei die Drehbühne großzügig zum Einsatz kommt. Nicholas Ofczarek gibt einen überzeugenden Wiener Proleten, garniert mit einigen Selbstzweifeln. Die ordentliches Schauspieler-Hochdeutsch sprechende Katharina Lorenz als Julie passt eigentlich so gar nicht in dieses Milieu hinein. Das ist alles ganz ordentlich gemacht und stellenweise amüsant. Man fragt sich aber die meiste Zeit, warum man eigentlich im Theater sitzt statt ein Buch lesend im Kaffeehaus.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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