Gillo Pontecorvo: La Battaglia di Algeri (1966)

Was mich beim Ansehen am meisten faszinierte war weniger die ästhetisch und handwerklich hervorragende Umsetzung des Films oder die intelligenten Anleihen an den Expressionismus, sondern die unglaubliche Aktualität des Films.
Die Geschichte erzählt den Aufstand in Algier gegen die französische Besatzungsmacht. Obwohl die Brutalitäten der Franzosen ausführlich gezeigt werden, inklusive einiger unter George W. Bush wieder zu neuen Ehren gekommenen Foltertechniken, werden die Franzosen nicht plump dämonisiert. Die Pariser Perspektive der Ereignisse kommt nicht zu kurz. Ausbalanciert wird die Handlung weiter dadurch, dass die Terrorakte der FLN gegen die Zivilbevölkerung ebenso auf die Leinwand kommen. Dass die Protagonisten beider Seiten als Menschen statt als politische Strohpuppen charakterisiert werden, verschärft die Wirkung der moralischen Kalamitäten. Kurz: Ein narrativ sehr intelligenter Film.
Die Tragödie entfaltet sich fast stereotyp und der Vergleich zum Irak oder zu Afghanistan drängt sich auf. Hätte man amerikanischen Politikern und Militärs diesen Film rechtzeitig gezeigt: Vielleicht hätten sie es sich doch noch einmal anders überlegt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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