Die Kunst des Zwitscherns

Die medial Aufgeschlossenen denken bei diesem Buchtitel zuerst an Twitter. Weit gefehlt! Der bei Residenz erschienene Essayband nimmt sich des Zwitscherns umfassend an. Der Autor und Biologe Helwig Brunner beleuchtet das Vogelzwitschern sorgfältig von allen Seiten, und liefert nebst den wichtigsten Fakten diverse interdisziplinäre Abgrenzungsversuche. Erwähnt seien Lyrik, Linguistik und Musik.
Kathrin Passig veranstaltet einen Schnellkurs in Sachen Twitter und unterteilt ihren Beitrag völlig überflüssigerweise in 140-Zeichen-Häppchen. Wer von Twitter nichts weiß, wird mit dem notwendigen Grundlagenwissen versorgt. Weitergehende theoretische Reflexion? Fehlanzeige!
Amüsant dagegen ist der Beitrag des Wiener Essayisten Franz Schuh über das Zwitschern im alkoholischen Sinne. Er liefert nicht nur einen autobiographischen Einblick in die Trinkgewohnheiten österreichischer Intellektueller (keine Namen!), sondern weiß auch geistreich von Harald Juhnke und Hans Falladas Trinker zu berichten.
In Buchform wirken die drei Essays trotz der Einleitung des Thomas Macho etwas disparat. Es fehlt ein roter Faden zwischen den Kapiteln.

[Geschrieben für The Gap]

Helwig Brunner, Kathrin Passig, Franz Schuh: Die Kunst des Zwitscherns (Residenz)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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