Kleist: Prinz Friedrich von Homburg

Burgtheater 15.9. 2012
Regie: Andrea Breth

Friedrich Wilheim, Kurfürst von Brandenburg: Peter Simonischek
Die Kurfürstin: Andrea Clausen
Prinzessin Natalie von Oranien, seine Nichte: Pauline Knof
Feldmarschall Dörfling: Udo Samel
Prinz Friedrich Arthur von Homburg: August Diehl
Obrist Kottwitz: Hans-Michael Rehberg
Stranz: Bernd Birkhahn

Der depressive Preuße Kleist ist wohl der mir am fernsten stehende deutsche Klassiker. Deshalb war ich sehr gespannt, was Andrea Breth aus dem Prinz Friedrich von Homburg machen würde, zählt sie doch zu den besten Regisseuren, die das deutschsprachige Theater zu bieten hat.

Erste Überraschung: Der Text war solide gekürzt, das Stück in nicht einmal zweieinhalb Stunden abgetan. Das ist sehr ungewöhnlich für Andrea Breth, ist sie doch für ungekürzte, monumentale Klassikerabende bekannt. Ich bin versucht, daraus auf eine skeptische Haltung zu dem Stück zu schließen. Dafür spricht auch, dass sie den Prinz von Homburg nicht als positiven romantischen Schwärmer anlegt, der in der bösen Militärwelt verloren ist. Andreas Diehl betont vielmehr die psycho- und soziopathischen Züge der Figur. Das Publikum sieht einen sehr unsympathischen Homburg auf der Bühne, was die Rettungsaktion des gesamten Heeres für den jungen unfähigen Offizier noch unplausibler erscheinen lässt als sie schon bei der Lektüre wirkt.

Diese Linie der Interpretation überzeugt. Der Rest war von handwerklicher Perfektion, wie man das bei Andrea Breth und den erstklassigen Schauspielern gewohnt ist, die sie zur Verfügung hat. Das Burgtheater übernahm in diesem Fall eine Produktion der Salzburger Festspiele. Es wäre sehr wünschenswert, wenn Andrea Breth noch viele Aufträge für das Burgtheater bekommt. Besseres Theater bekommt man nur selten zu sehen.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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