Shakespeare: Romeo und Julia

Burgtheater 7.2. 2012

Regie: David Bösch

Romeo: Daniel Sträßer
Julia: Yohanna Schwertfeger
Bruder Lorenzo: Branko Samarovski
Mercutio: Fabian Krüger
Benvolio: André Meyer

Eine für aktuelle Burgtheater-Verhältnisse provokante Inszenierung, in der fröhlich geflucht, gekotzt und geplanscht wird. David Bösch wählt einen ironischen Klamaukstil für seine Inszenierung, der sich allerdings gut argumentieren lässt. Die jugendlichen Aristokraten der italienischen Stadtstaaten hatten ja tatsächlich oft Unfug im Kopf und waren überwiegend testosterongesteuert. Diese Tunichtgut-Kultur transferiert Bösch plausibel in ein aktuelles Setting. Der ironische Unterton ist ein passender Kontrapunkt gegen die pathetische Liebestragödie. Für meinen Geschmack war der Klamaukfaktor allerdings zu hoch und die Kampfszenen (ein grandioser Fabian Krüger) zu lang. Vor allem, wenn man sie in Bezug zu den vielen gestrichenen Szenen setzt. Das Finale beeindruckt dagegen vorbehaltlos. Der Reaktion des überwiegend jungen Publikums auf dem zweiten Mittelrang nach, trifft Bösch deren Geschmack aber ausgezeichnet.

Im Zentrum des Bühnenbilds ist ein See zu sehen, der durch einen kreuzförmigen Übergang in vier Quadrate geteilt wird, und der in fast jeder Szene als Planschbecken dient. Darüber thront in der Mitte ein rechtwinkliger Kasten, der auf und ab schweben kann, und ebenso als Balkon wie als Grab dient.

Eine ungewöhnliche, sehenswerte Inszenierung mit einigen Schwächen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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