Reise-Notizen: Rio de Janeiro

Vorherige Station: Iguazu.

Die letzte Station meiner Südamerika-Reise ist Rio de Janeiro! War Buenos Aires eine quasi-europäische Kulturstadt, liegen die Qualitäten Rios auf anderen Gebieten. Um die spektakuläre Lage zu genießen, fahre ich auf mehrere Aussichtspunkte. Vom Zuckerhut ist das Panorama überwältigend: Eine Symphonie aus Buchten und Meer, angereichert mit aparten Seltsamkeiten wie einem im Zentrum liegenden kleinen Inlandsflughafen. Sogar ein U-Boot ließ sich sehen. Wäre Rio Musik, dann hätte sie vermutlich Tschaikowsky komponiert: Sehr effektvoll beim ersten Mal hören, aber oberflächlich nach genauerem Studium. Die berüchtigten Favelas liegen alle sehr malerisch an diversen Hängen. Der Blick von dort ist beeindruckend und die berühmten Strände oft nur ein paar Schritte entfernt. Ein Grund, warum die Hotels ihren Touristen dringend abraten, nach Einbruch der Dunkelheit, die Strände zu besuchen. Deren Vielzahl wirkt auf mich als sei ganz Rio in einem permanenten Badeurlaub. Einen ironischen Kontrapunkt zur schönen Sonnenwelt setzt das Tierreich: Es kreisen viele Geier über der Stadt.
In der Altstadt sind einige Gassen noch so gut erhalten (oder restauriert?), dass ich beim Flanieren tatsächlich den Eindruck hatte, durch eine alte koloniale Stadt zu schlendern. Die Klassengesellschaft ist überall sichtbar: Security allen Orts. Gitter, Alarmanlagen und Wächter sind allgegenwärtig. Bereits Angehörige des Mittelstands wohnen in burgähnlichen Einrichtungen, die besser geschützt sind als in Österreich etwa das Haus eines prominenten Politikers. Wer das aufmerksam beobachtet, sieht vielleicht auch die europäische Zukunft, wenn sich die Ungleichheit in den nächsten Jahrzehnten weiter verschärft.

Erste Station der Reise: Peru / Bolivien.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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