Mark Twain: The Adventures of Tom Sawyer

Eigentlich standen The Adventures of Huckleberry Finn auf meinem Lektüreprogramm, wollte diese aber nicht angehen, ohne den 1876 publizierten Vorgänger präsent zu haben. Zu Schulzeiten las ich das Buch in der deutschen Übersetzung. Übrigens der erste Klassiker, den ich komplett auf meinem Kindle las. Tom Sawyer ist ein zu Recht berühmtes Kinderbuch, obwohl sich dahinter natürlich mehr verbirgt, als Unterhaltung für Schüler. Mark Twain deutet das in seinem Vorwort auch an, wenn er hofft, der Roman möge auch erwachsene Leser finden.

Es steht einem frei, sich oberflächlich von den amüsanten Lausbuben-Abenteuern unterhalten zu lassen. Interessanter ist allerdings eine ergänzende sozialgeschichtliche Lektüre. Twain zeichnet ein ironisches Panorama eines Südstaaten-Dorfes und spart nicht an impliziter und expliziter Kritik. Das kann man gut am Thema Religion veranschaulichen. Twains kritische Haltung dazu ist bekannt. Er bringt seine Vorbehalte aber kaum diskursiv ein, sondern indem er sich darüber lustig macht. In einem der frühen Kapitel wird beispielsweise ein hochkomischer Gottesdienst geschildert. Twain ist auch ausgezeichnet darin, zu beschreiben, was Religion an Ängsten und Terror in Kinderseelen anrichten kann.

Überhaupt ist der Autor bei der Darstellung kindlicher Psychologie auf dem Höhepunkt seiner Kunst. Wer einen Beleg dafür sucht, wie authentisch man das Innenleben eines Kindes schildern kann, ohne auf moderne Erzählverfahren wie erlebte Rede oder innere Monologe zurückzugreifen, wird kaum ein besseres Beispiel finden.

Twains Sprache und Beschreibungskunst sucht Ihresgleichen. Eine teils scharfe, aber immer empathische Ironie ist die Grundlage seines Stils. Egal ob er Personen, Orte oder die Natur in Worte fasst, das Beschriebene tritt einem höchst plastisch vor Augen. Freue mich schon auf die Lektüre weiterer Werke.

Mark Twain: The Adventures of Tom Sawyer. (Penguin)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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