Habemus Papam

Filmcasino 21.12.
Italien 2011
Regie: Nanni Moretti

Eine Papstsatire freute ich mich! Mein inniges Verhältnis zur Institution im Allgemeinen und zu Papst Ratzefatz im Besonderen ist ja kein Geheimnis. Habemus Papam ist aber eine so kreuzbrave Angelegenheit, dass selbst der Vatikan sein Wohlwollen signalisierte. Das ist kein Wunder, zieht Nanni Moretti den satirischen Gehalt des Streifens vor allem aus der privaten Sphäre: Ein neuer Papst wird gewählt, traut sich das Amt aber nicht zu und verweigert die öffentliche Stellungnahme. Ein Psychoanalytiker wird beigezogen. Schließlich flieht der Papst inkognito in das Stadtleben Roms, wo er dann mit Hilfe einer Tschechow spielenden Schauspieltruppe zur Erkenntnis kommt, dass er wirklich nicht geeignet ist und das am Ende in der lange erwarteten Ansprache an die Gläubigen auch eingesteht.

Das ist alles brav, bieder und behäbig auf die Leinwand gebracht. Die zehntausende Missbrauchsfälle ignoriert Moretti ebenso wie andere schwerwiegende Fehler der Kirche. Gute Satiren entlarven und geißeln ihre Gegenstände. Schlechte Satiren wie Habemus Papam beschämen ihre Macher durch Feigheit und Harmlosigkeit.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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