Incendies (Die Frau, die singt)

Filmcasino 3.12.
Regie: Denis Villeneuve

Der Stoff des Films geht auf ein Theaterstück Wajdi Mouawads zurück, das mich im Akademietheater damals nicht überzeugen konnte. Die Filmversion ist deutlich besser gelungen.

Die Handlung ist furios: Ein kanadisches Zwillingspaar bricht zur Suche nach Vater und Bruder in ein arabisches Land auf, nachdem ihre als seltsam verrufene Mutter stirbt und ein kurioses Testament zurücklässt. Die Tochter beginnt die Suche, später kommt der Sohn hinzu. Es folgt eine narrativ nach allen Regeln der Kunst erzählte Geschichte, die sehr eindrucksvoll die Grausamkeiten eines arabischen Bürgerkriegs in Szene setzt. Filmisch ist das exzellent umgesetzt, von grandiosen Landschaftsaufnahmen bis zur symbolträchtigen Bildersprache.

Dem packenden Realismus des Films ist nun ein antiker Tragödienstoff unterlegt, nämlich der des König Ödipus. Das lädt Incendies einerseits zusätzlich mit Tragik auf, steht aber in einer unangenehmen Spannung zum Bürgerkriegsteil. Ultrarealismus passt nicht zu einer antiken Tragödie. Das wirkt künstlich und schadet der Einheitlichkeit des Films mehr als sie ihm nützt. So ist die letzte halbe Stunde des Films trotz aller Spannung die schlechteste des Streifens.

Trotzdem ausgesprochen sehenswert, weil Incendies viel über den Zustand der Welt verrät, und deshalb nachdenklich stimmt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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