Ein Spaziergang durch die Buch Wien 11

Der deplorable Zustand der österreichischen Verlagslandschaft ist gut bekannt und oft beklagt. Wer sich davon ein persönliches Bild machen will, der kann dies auf der Buch Wien tun. Winzig wirkt die Ausstellungshalle, wenn man die Größe anderer Buchmessen kennt. Die einheimischen Verlage präsentieren ihr Druckwerk. Das Publikum heute waren überwiegend Schulklassen. Der beachtlichste Menschenauflauf galt dem kochenden Koch am Kochbuchstand. Großspurig nennt man sich Internationale Buchmesse, es ist aber kein einziger renommierter ausländischer Verlag präsent. Den größten Stand hat Saudi-Arabien inne, wo das Ministry for Islamic Affairs seine rückschrittliche fundamentalistische Propaganda betreibt. Ein paar Schritte weiter werden offizielle russische Schriften präsentiert. Hübsch dazwischen passend der Stand von Radio Stephansdom.

Nun bin ich gegen Zensur jeder Art und auch die saudi-arabischen Spezialisten für Menschenrechtsverletzungen sollen ihre Bücher präsentieren dürfen. Es muss aber die Frage erlaubt sein, ob das im Zentrum der Halle und in dieser Größe sein muss. Das „Internationale“ dieser Messe beschränkt sich, so weit ich es auf meinem Rundgang heute sah, auf staatliche Stände, im besten Fall noch von Kulturinstituten.

Am sympathischsten sind die Kojen der ambitionierten kleineren Verlage. Auf diesem Sektor wird tolle Verlagsarbeit gemacht. Mittlere Häuser, also klassische Publikumsverlage, gibt es in Österreich kaum. Daran tragen auch die österreichischen Autoren eine Mitschuld: Viele werden von kleinen Verlagen hier entdeckt und wandern dann sofort in Richtung Hanser, Suhrkamp und Co. ab, sobald sie bekannt sind. Klassisches Investieren in neue Autoren zahlt sich für die einheimischen Verleger damit kaum aus. Ohne staatliche Verlagsförderung könnte man in ein paar Jahren die Buch Wien vermutlich in einer größeren Altbauwohnung abhalten. Ebooks spielten erwartungsgemäß keine Rolle. Man ist ja in der Provinz und unter sich. (Bis 13.11.)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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