Brecht: Die heilige Johanna der Schlachthöfe

Burgtheater 19.1.

Regie: Michael Thalheimer
Bühnenbild: Olaf Altmann

Johanna Dark, Leutnant der Schwarzen Strohhüte: Sarah Viktoria Frick
Pierpont Mauler, Fleischkönig: Tilo Nest
Cridle, Fleischfabrikant: Oliver Masucci
Graham, Fleischfabrikant: Roland Koch
Vorarbeiter, Arbeiterführer: Hermann Scheidleder

Mein Verhältnis zu Brecht ist seit vielen Jahren zwiespältig. Seine Sprachkunst ist beachtlich und die Idee des epischen Theaters kann ich aus der Zeit heraus gut nachvollziehen, allerdings halte ich die meisten Stücke aufgrund der aufdringlichen Belehrsamkeit für ausgesprochen langweilig anzusehen. Das liegt natürlich vor allem an der völlig gescheiterten Kommunikationssituation. Brecht schrieb seine Stücke für Arbeiter, aber in den Theatern saßen und sitzen überwiegend andere Gesellschaftsschichten. Gleichzeitig bieten viele seiner Theatertexte kaum anderen Ebenen, die „einspringen“ könnten. Dafür sind sie inhaltlich zu monodimensional.

Diese Heilige Johanna der Schlachthöfe ist ein gutes Anschauungsbeispiel. Die Inszenierung ist nämlich ausgezeichnet und erinnert im Einsatz des Chors an antike Tragödien. Das Bühnenbild wird mit furiosen multimedialen Effekten aufgewertet. Die Schauspieler geben die Figuren als eine gelungene Mischung aus Realismus und „Künstlichkeit“. Trotzdem fand ich den Abend über weite Strecken langweilig, wenn nicht sogar peinlich. Dass Brecht ausgerechnet die scheinheiligste Schillerfigur für sein Anliegen aus der Mottenkiste holt und dann verkitscht-naseweise Reden halten läßt, die dem bösen Fleischfabrikanten selbstverständlich sein Gewissen beunruhigen, hat aus heutiger Sicht bestenfalls einen parodistischen Wert.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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