Joseph Roth

Die Flucht ohne Ende. Ein Bericht

Der 1927 erschienene Roman ist ein Beispiel dafür, dass selbst die schlechten Bücher des Joseph Roth besser sind, als so manches „gute“ seiner Zeitgenossen. Der Untertitel spricht von einem „Bericht“. Diese Kompositionsidee kann Roth aber nicht durchhalten. Zu Beginn wird tatsächlich ein (mehr oder weniger) berichtender Stil angeschlagen, später kippt Roth aber in seinen „klassischen“ Romanstil: Neben fulminanten Beschreibungen, wird er auch sehr boshaft und sarkastisch, etwa wenn er rhetorisch über das Sonntagsleben einer deutschen Stadt am Rhein herfällt. Das führt zu einem strukturell und stilistisch sehr divergenten Roman, ohne dass es einen ästhetischen Mehrwert hätte.

Trotzdem lesen sich die Abenteuer des Franz Tunda sehr interessant. Er bleibt Ende des zweiten Weltkriegs als Revolutionär in Russland hängen und erlebt dort eine Menge Abenteuer, bevor er sich zur Rückkehr nach Wien entschließt. Es besucht seinen Bruder, einen berühmten Dirigenten, in Deutschland. Diese Kapitel samt Beschreibung der besseren Gesellschaft jener Provinzstadt gehören zu den besten des Buches.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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