Shakespeare: Was ihr wollt

Burgtheater 29.12.

Regie: Matthias Hartmann

Viola: Katharina Lorenz
Orsino: Fabian Krüger
Olivia: Dörte Lyssewski
Maria: Maria Happel
Sir Toby Rülp: Nicholas Ofczarek
Sir Andrew Bleichenwang: Michael Maertens
Malvolio: Joachim Meyerhoff

Eigentlich bin ich kein Freund von komödiantischen Klamaukinszenierungen. Ich habe mich aber gestern von Matthias Hartmann belehren lassen, dass man Klamauk erstklassig und hochgradig komisch inszenieren kann. Die Inszenierung setzt weniger auf die Dreiecksbeziehung zwischen Orsino, Olivia und Viola und die innovative Herangehensweise Shakespeares an Geschlechterrollen, sondern legt den Schwerpunkt auf die komischen Nebenhandlungen, die ja ein konstituierender Bestandteil der Komödien Shakespeares sind. Diese „Nebenrollen“ sind denn konsequenterweise mit den besten Burgtheater-Schauspielern besetzt: Ofczarek, Maertens und Meyerhoff. Die drei genossen den Ausflug ins Burleske sichtlich und legten eine grossartige schauspielerische Leistung hin. Wenn Ofczarek als der ständig Betrunkene Sir Toby Rülp über die Bühne stolziert, ist das ähnlich komisch wie John Cleese in seinem „Ministry of Silly Walks“ Sketch. Man bekommt also mehr als dreieinhalb Stunden höchst kurzweiliges Theater geboten, bringt man hinreichende Quatschtoleranz mit.

Das reduzierte und ironisch verkitschte Bühnenbild (viele Rosen) unterstreicht die Regielinie ebenso gut wie die Livemusik-Begleitung. Shakespeare wollte sein Publikum bekanntlich gut unterhalten und diesen Aspekt seiner Theaterkunst hat Hartmann sehr gut herausgearbeitet. Nächstes Mal darf es aber gerne wieder eine Inszenierung mit etwas mehr Tiefgang sein.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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