Jean Paris

James Joyce. (rororo monographie) [2.]

Eine aktuelle rororo monographie über James Joyce gibt es nicht. [Siehe Kommentare unten!] Ich hatte in meiner Bibliothek noch die inzwischen vergriffene des Jean Paris stehen und las sie anläßlich meiner Zweitlektüre des Ulysses ebenfalls zum zweiten Mal. Eine Lektüre-Empfehlung kann ich allerdings nicht aussprechen. Zwar hat Jean Paris durchaus interessante Einsichten in Joyce‘ Werke, etwa wenn er über das Menschenbild im Ulysses schreibt. Das Buch krankt aber nicht nur an einer zu geschwurbelten Sprache. Auch die teils wenig reflektiert aus der damaligen Forschungslandschaft referierten Deutungen (sechziger Jahre), sind eine mühsame Lektüre. Was das Biographische angeht, so erfährt man die wichtigsten Fakten aus dem Leben des James Joyce. Diese sind aber so in Paris‘ Deutungssermon eingewoben, dass man sie erst zusammensuchen muss, wenn man sich in erster Linie dafür interessiert. Relativ ausführlich beschreibt der Autor die Publikationsprobleme. Über die Dubliners etwa:

Nicht nur behandelte Joyce Themen, die die viktorianische Zensur für tabu erklärt hatte: die Profanierung (The Sisters), die sexuelle Perversion (An Encounter), die Zuhälterei (Two Gallants), er wagte es auch, mit jeder Überlieferung zu brechen und lebende Personen bloßzustellen. Dabei trieb er die Frechheit soweit, ihren Namen, ihren Beruf, ja selbst ihren Wohnsitz mitzuteilen. [S. 79]

Lesen sollte diese rororo monographie nur, wer für hermeneutisches Geschwurbel viel Geduld aufbringt, oder wer einen Einblick bekommen will, wie sich die Nachkriegs-Literaturwissenschaft mit der literarischen Avantgarde auseinandersetzte.

3 Antworten auf Jean Paris

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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