Nordkorea in Wien – ein Augenzeugenbericht

Museum für angewandte Kunst 25.5.

Blumen für Kim Il Sung heißt die seltsame Ausstellung, die Peter Noever nach Wien in sein Museum holte. Der göttliche Kim Il Sung spielt die Hauptrolle, weshalb man natürlich am Eingang einen Metalldetektor passieren muss. Im ersten Stock sitzen zwei fröhlich wirkende Asiaten (gute Tarnung?), und der Gedanke liegt nahe, dass der nordkoreanische Geheimdienst seinen großen Führer (gut, dessen Abbilder) natürlich nicht ohne Begleitschutz ins feindliche Ausland schickt. In der Ausstellung steht sich das Sicherheitspersonal selbst im Weg und man sähe gerne das Vertragswerk, das die Ausstellungsmodalitäten regelt.

Höhepunkt des Wahnsinns sind die Schnüre, welche die Portraits Kim Il Sungs weiträumig absperren: Niemand soll der selbsternannten Erlaucht zu nahe treten. Zu sehen ist er in allen Situationen des besorgten Landesvaters: Mit Arbeitern, Bauern, Kindern etc., von denen jeweils wohlgenährte Exemplare abgebildet sind, welche die Künstler offenbar trotz der Hungersnöte im Land als Modell auftreiben konnten.

Die Bilder selbst sind so weit vom westlichen Kunstverständnis entfernt, dass man sie zum Anlass für ein längeres kunstphilosophisches Traktat nehmen könnte, mit Schwerpunkt auf dam Verhältnis zwischen Kunst und Macht. Der Sachverhalt ist weniger eindeutig als man denkt. Die Beschäftigung mit der Kunst der Renaissance vor und während der Toskanareise führte deutlich vor Augen, dass viele der größten Maler auch brav ihren Auftraggeber gehorchen mußten. Man hielt sich an den Renaissancehöfen auch gerne gut bezahlte Hofhumanisten.

Diese Art der totalitären Ästhetik erinnerte mich jedenfalls sehr an meine Reise durch Turkmenistan.

Das MAK erlaubt seinen Besuchern also eine Erfahrung zu machen, die man sonst nur auf entlegeneren Reiserouten geboten bekommt. Fakt ist aber auch, dass man mit dieser Kooperation eines der übelsten Regime international aufwertet.

[30.4.]: Der Economist berichtet ausführlich über die aktuelle Situation in Nordkorea.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets