Prinz Eugen – Feldherr, Philosoph und Kunstfreund

Belvedere 14.3.

Philosoph? So mag sich mancher angesichts des Untertitels der Ausstellung im Unteren Belvedere fragen, die dem Bauherrn dieses schönen architektonischen Ensembles gewidmet ist. In den einschlägigen Philosophiegeschichten jedenfalls ist Prinz Eugen zurecht nicht vertreten, was die Kuratoren der Schau aber offenbar nicht stört.

Wobei wir gleich beim Schwachpunkt des Projekts angekommen wären: Es handelt sich um eine Huldigung. Kritische Aspekte der Biographie wie etwa Prinz Eugens Umgang mit Aufständischen werden höchstens am Rande gestreift. Die Räume sind überwiegend chronologisch angeordnet. Dort finden sich Gemälde, die dem familiären und historischen Umkreis zeigen, sowie viele Devotionalien, die mit dem Prinzen in Verbindung zu bringen sind. Das ist alles „state of art“, birgt aber keinerlei Überraschung.

Das ändert sich, wenn man die Orangerie betritt, welche zwei Schwerpunkte hat: Prinz Eugens Gemäldegalerie und dessen Bibliothek. Die ursprüngliche Hängung der Gemälde wurde an die Wand gemalt und die noch vorhandenen Bilder aus der Sammlung an den korrekten Stellen angebracht, während die fehlenden von Zeichnungen repräsentiert werden. Das gibt einen schönen Eindruck über die damalige Anordung der Bilder.

Prinz Eugens Büchersammlung war einer der Grundstöcke der Österreichischen Nationalbibliothek. Leihgaben zeigen eine repräsentative Auswahl. Es sind eine Menge schöner und schön illustrierter Bücher dabei, was alleine den Ausstellungsbesuch rechtfertigt. Erwähnt sei, dass Prinz Eugen den Schwerpunkt auf naturwissenschaftliche Schriften legte. Das zeigt wie vielseitig interessiert er war. So meinte er hübsch auf die Zeit seiner Pensionierung angesprochen: „(…) und ich besitze einen hinreichenden Vorrath guter Bücher, um mich nicht zu langweilen.“

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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