Wilhelm Genazino: Falsche Jahre

Dieser Roman erschien 1979 und schloss die Abschaffel-Trilogie ab. Nach Teil 1 und Teil 2 fällt auf, dass Falsche Jahre auf dem Land spielt. Unser Protagonist unterzieht sich dort einer Kur. Als Großstadtmensch kann er mit der Natur nichts anfangen und diese Landabneigung ist ein amüsantes Grundthema des Buches:

Abschaffel war bisher nur einmal im Wald spazieren gewesen. Die Natur langweilte ihn. In den Bergen gab es nichts als schattige Wege. Es war ihm bis jetzt nicht möglich gewesen, zu diesen Bergen eine brauchbare Einstellung zu finden. [S. 414]

Er versucht seine Beobachtungsgabe auf das Dorf nahe der Klinik anzuwenden, ist ob des sich bietenden Materials aber ebenfalls enttäuscht. Seine Therapiesitzungen nutzt Genazino geschickt, um am Ende der Trilogie wichtige Episoden aus Abschaffels Kindheit nachzuholen.

Die drei Romane sind alle sehr gut zu lesen und zeigen bereits früh die Stärken Genazinos. Es wird ein Rätsel des Literaturbetriebs bleiben, warum sein Durchbruch weitere zwanzig Jahre benötigte. Verdiente hätte er ihn schon mit seiner Abschaffel-Trilogie.

Wilhelm Genazino: Falsche Jahre. Roman (Hanser)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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