Joel and Ethan Coen: A Serious Man

Filmcasino 24.1.

Mit ihrem neuen Film ist in den beiden Brüdern ein beachtlicher Wurf gelungen. Im Mittelpunkt steht der junge jüdische Physikprofessor Larry Gopnik, dessen Leben aus mehreren Gründen in die Krise gerät. Nicht nur will ihn seine Gattin verlassen, ein Student versucht ihn außerdem für eine gute Note zu bestechen. Die Karriere ist gefährdet. Sein exzentrischer Bruder Arthur ist bei ihm eingezogen und macht die Situation noch komplizierter.

Im Mittelpunkt steht allerdings die (autobiographische?) Auseinandersetzung mit dem jüdischen Milieu und vor allem der jüdischen Religion. Das wird schon zu Beginn klar: Der Film eröffnet mit einer komplett in Jiddisch gehalten Szene in einem Shtetl in der irrationale Kompenenten im Weltbild seiner Vorfahren in Szene gesetzt werden. Larry Gopnik sucht im Laufe seiner Lebenskatastrophe Rat bei diversen Rabbis, was zu einer ebenso komischen wie bitterbösen Abrechnung mit diesem Religionstheater gerät.

Die Schauspieler sind grandios gewählt und konfrontieren den Zuseher mit furiosen Skurilitäten. Der beste Film der Brüder seit vielen Jahren und eine uneingeschränkte Empfehlung.

2 Antworten auf Joel and Ethan Coen: A Serious Man

  • Timo Heuer sagt:

    Kann ich im Großen und Ganzen bestätigen. Ich mochte „No country for old men“ zwar, es war aber auch nicht großartig. „A serious man“ dagegen hat schon etwas. Die besten Coen-Filme sind für mich „The Big Lebowski“ und „Fargo“…. :-)

  • dasMusenross sagt:

    Als vollkommen Unbedarfter was die Filme der Coen-Brüder angehen mag, habe ich mich gestern Abend im Votivkino eingefunden. Der Film war durchwegs skurril, etappenweise recht satirisch und daher für mehr als ein paar Lacher gut, jedoch scheint es mir im Grossen und Ganzen (um die Semantik weiterzuführen) so, als hätte man bei weitem mehr von diesem Film und seiner Geschichte gehabt, wenn man einigermassen über die jüdische Religion, ihren Riten und Gebräuchen Bescheid weiss, um einen besseren Kontext herstellen zu können.

    Einen Film, den ich wiederum uneingeschränkt empfehlen kann, ist Francis Ford Coppolas Tetro, er läuft derzeit noch im Stadtkino.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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